ZEW-Wirtschaftsforum rückt Thema Bankenregulierung auf die Agenda

14. Juni 2013 | Von | Kategorie: Top News

Das gestrige Wirtschaftsforum des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW in Mannheim, auf dem viele hochkarätige Finanzexperten und Regulierer u.a. über die Zukunft der Regulierung diskutierten, ist Thema zahlreicher Beiträge der heutigen Wirtschaftspresse:
Medial stark beachtet sind dabei Sorgen der Teilnehmer, dass sich infolge höherer Eigenkapitalanforderungen, die zudem stärker zu schwanken drohten, deutsche Geschäftsbanken verstärkt auch aus langfristigen Finanzierungen im Inland zurückziehen könnten. Die KfW werde deshalb als Anbieter langfristiger Finanzierungen somit „gefordert bleiben“, meinte Ulrich Schröder, Vorstandsvorsitzender der KfW. Sabine Lautenschläger, Vizechefin der Bundesbank, sorgte sich unterdessen um die Zukunft der Mittelstandskredite in Deutschland und begründet dies mit der Schärfe des Wettbewerbs in diesem Geschäftssegment. Der scharfe Wettbewerb im Mittelstandsgeschäft belaste die Margen der Banken. „Ich mache mir Sorgen, dass die niedrigen Margen angesichts der Risiken langfristig tragfähig sind.“ „Derzeit sind die Margen noch auskömmlich, aber wir schauen immer wieder mit Sorge, ob das auch das Risiko noch abdeckt.“

Auf dem ZEW-Forum wurden auch die Auswirkungen der zunehmenden Regulierungsdichte (u.a. Basel III) auf die Banken und ihre Kreditnehmer (u.a. den Mittelstand) diskutiert. „Die Kapitalregeln werden die Kreditkosten für Unternehmen um 30 % erhöhen, die für den deutschen Mittelstand um 20 %“, rechnete Michael Kemmer, Geschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), vor. Kemmer fordert deshalb: „Wir brauchen eine Gesamtstudie, die alle Auswirkungen der unterschiedlichen Regulierungsvorhaben untersucht“. Die Wirtschaftsweise Claudia Buch sieht dies ähnlich und regte an, die Regulierung wieder einfacher zu gestalten – und eine Verschuldungsobergrenze für Banken einzuführen (Stichwort verbindliche Leverage Ratio).

Hierzulande drohe insbesondere kleineren und mittelgroßen Instituten eine „Überforderung durch Überregulierung“, warnte indes Uwe Schröder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender des Finanzdienstleisters MLP. Schröder-Wildberg sprach sich zudem gegen die Einführung eines Trennbankensystems aus. Anstatt Institute zu zwingen, den Eigenhandel konzernintern vom Kredit- und Einlagengeschäft abzugrenzen, könne man auch höhere Eigenkapitalquoten für Banken vorsehen, die in den riskanteren Feldern stark aktiv seien, schlug Michael Schröder, Leiter des Forschungsbereichs „Internationale Finanz markte und Finanzmanagement beim ZEW, vor. Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger verwies zudem auf die hohe Regulierungsdichte, die kaum noch überschaubar sei: „Man kann in 15 Minuten gar nicht darstellen, was es alles gibt“, sagte Lautenschläger. Über die Folgen der Finanzmarktregulierung diskutierte sie in Mannheim mit der Ökonomin Claudia Buch. Buch verlangte einfachere Regeln für die Banken. „Wir haben kein Modell in der Schublade, das die filigranen Änderungen im Bankensektor abbilden würde“, bemängelte sie. Daher müssten die Regeln einfacher werden. „Ich wüsste schon gern als Steuerzahlerin, was die Auswirkungen einer Regulierung sind.“ Sie verteidigte zudem die Bankenunion, die das Ziel habe, die Risiken von Banken und Staaten zu trennen.

Thema auf dem ZEW-Forum in Mannheim waren auch politische Überlegungen auf EU-Ebene, Sparer mit hohen Einlagen bei Bankenpleiten gegenüber Anleihegläubigern zu bevorzugen. Großeinlegern sei zumutbar, ihre Risiken sorgfältig zu kalkulieren und ihr Geld auf mehrere Adressen zu streuen. Würden Anleihegläubiger schlechter behandelt als Sparer mit hohen Einlagen, bestünde die Gefahr, dass niemand mehr Anleihen kaufe, warnten Teilnehmer der Veranstaltung. (Quellen: Süddeutsche Zeitung, Börsen-Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

 


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