„Aufsichten müssen bei Risikobeurteilung mehr ins Detail gehen“

8. März 2009 | Von | Kategorie: Regulierung

„Die Finanzaufsicht braucht mehr Kompetenz“, so der „ordnungspolitische Einspruch“ des Direktors des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, im Handelsblatt. Die spezifischen Regelwerke für die Finanzmärkte und ihre Akteure hätten keine strafrechtliche Bewandtnis – daher bedürfe es einer besonderen Aufsicht. Nur so könne die Einhaltung der Regeln effektiv geprüft und eingefordert werden. Nach Ansicht Hüthers sind Kompetenzausstattung und Analyseperspektive entscheidend für die Aufsicht. „Denn nach dem zweiten Baseler Abkommen ist die Eigenkapitalunterlegung stärker an der individuellen Risikosituation einer Bank zu orientieren, beispielsweise durch genau auf den einzelnen Kredit zugeschnittene Risikogewichte. So muss die Aufsicht bei der Analyse und der Beurteilung der Risiken einer Bank viel mehr ins Detail gehen als bisher. Je mehr sie dabei von den Informationen der Bank abhängt, umso größer sind die Anreiz- und Kontrollprobleme, die sich ergeben“, begründet Hüther.

Folgend beschreibt er die Praxis der Banken, alle Ermessensspielräume zur Minimierung der Eigenkapitalunterlegung auszunutzen. So sei es nicht verwunderlich, dass die Banken ihre Anlagen in hypothekengesicherten Wertpapieren dem Handelsbuch zugeordnet hatten. Ökonomisch ergebe der Ermessensspielraum jedoch keinen Sinn: „Im Gegenteil, er hat dazu beigetragen, dass das Eigenkapital bezogen auf die Aktiva viel zu gering war.“ Der IW-Direktor betont, dass die Bankenaufsicht dieses Problem der Regulierungsarbitrage nicht genügend adressiert habe. „Als Schwachstelle hat sich ferner erwiesen, dass die Aufsicht die durch Basel II den Banken offerierte Möglichkeit, mit eigenen Risikomodellen zu arbeiten, nicht durch entsprechende Modell- und Methodenkompetenz beantwortet hat“, so sein kritisches Urteil.

 


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