Basel II-Umbau erst 2010: Aufatmen in der Bankenbranche

13. März 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers1Die aktuelle Mitteilung des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, die Eigenkapitalvorschriften für Kreditinstitute erst im Jahr 2010 einer Überprüfung zu unterziehen, haben im deutschen Bankensektor für ein kollektives Aufatmen gesorgt.
Die Financial Times Deutschland konstatiert in ihrer heutigen Ausgabe: „Banken erhalten Aufschub“. Dennoch machte das Gremium in seiner Veröffentlichung klar, dass die Basel II-Regularien einer deutlichen Modifikation bedürfen. Die Eigenkapitalpolster der Finanzbranche müssten gestärkt werden, um die Widerstandsfähigkeit der Institute gegenüber wirtschaftlichen und finanziellen Problemen zu erhöhen. Es gelte Kapitalreserven aufzubauen, auf die die Banken in schwierigen Zeiten zurückgreifen könnten. Diese Systematik des „dynamic provisioning“ wird derzeit als wahrscheinlichster Lösungsansatz für die problematische prozyklische Wirkung der Eigenkapitalregeln angesehen. Weiter sollen die geplanten Regeländerungen eine Verbesserung der Qualität des Eigenkapitals und auch der Risikokontrollen nach sich ziehen.

Auch das Financial Stability Forum (FSF) geht mit dem Fahrplan des Ausschusses konform. Der Vorsitzende des Forums, der italienische Zentralbankpräsident Mario Draghi, hatte gestern erklärt, dass in der Wirtschafts- und Finanzkrise die Mindestanforderungen an das Kapital nicht erhöht werden sollten.

Sowohl der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) als auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) begrüßten den vorgelegten Zeitplan des Baseler Ausschusses. „Es muss zunächst analysiert werden, wie sich die aktuellen Eigenkapitalregelungen in der Praxis auswirken“, wird das BVR-Vorstandsmitglied Gerhard Hofmann in der Börsen-Zeitung zitiert. Basel II für die aktuelle Krise verantwortlich zu machen, sei zwar populär, aber eindeutig falsch. „Bei einer künftigen Überprüfung der bankaufsichtlichen Regelungen muss eine pauschale Eigenkapitalerhöhung vermieden werden“, erklärte der ehemalige Basel II-Experte bei der Bundesbank weiter. In diesem Zusammenhang kritisierte Hofmann die von der Schweizer Nationalbank (SNB) und der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) ins Spiel gebrachte Einführung einer so genannten „Leverage Ratio“ als Ergänzung zu Basel II. Eine feste Verschuldungsgrenze habe sich schon im US-Bankensektor als wenig hilfreich erwiesen (weitere Quellen: Handelsblatt, Reuters).

 


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