Expertenkritik: Optimierte Bankenregulierung sieht anders aus

5. August 2013 | Von | Kategorie: Top News

BankenDie laufende Verregelung der Bankenbranche stößt bei Experten auf Kritik – einerseits wegen fehlender Koordination der Regulatoren untereinander, andererseits wegen einer falschen Ausrichtung der neuen Vorgaben.
In einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ kritisieren Stephan Paul und Stefan Stein, Professoren am ikf Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft der Ruhr-Universität Bochum, die aus ihrer Sicht unkoordinierte Regulierungsagenda der Aufseher in den USA und Europa, die den Aufbau eines internationalen Regelwerks für die Finanzbranche deutlich erschwere. „Die Kreditinstitute sollten nicht darauf setzen, dass die Regulierer kooperierten. Doch was soll man vom Stand der internationalen Koordination bei der Regulierung großer Banken halten, wenn selbst die Regulatoren nicht an sie zu glauben scheinen?“, fragen Paul und Stein kritisch. Die Autoren sehen dadurch den Trend verstärkt, dass Banken Auslandsmärkten den Rücken kehren. Ihr Fazit lautet denn auch kritisch: „Statt Harmonisierung also nun Renationalisierung aufgrund regulatorischer Zersplitterung, die von der globalen Vereinigung von Finanzinstituten IIF als ‚Balkanisierung der Regulierung‘ beschrieben wird? Tatsächlich liegt die Gefahr in der Luft, dass die Vorgaben in den Vereinigten Staaten zu ähnlichen protektionistischen Überlegungen auch in Europa und Deutschland führen könnten.“

Thomas Mayer, der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, warnt derweil in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ vor einer falschen Ausrichtung laufender Neuregulierungen der Finanzbranche. Im Rückblick auf die Finanzkrise seien nicht die richtigen Schlüsse gezogen worden. Den krisenauslösenden, strukturierten Hypothekenkrediten lagen Einzelkredite zugrunde, die von „Minibanken“ ausgegeben worden seien. „Die Ratingagenturen haben sich wie die Kreditbanken in der Qualität der Kreditportfolios getäuscht. Investmentbanken wie Lehman Brothers kamen in Schwierigkeiten, weil sie diese ‚Minibanken’ nicht nur produziert und weiterverkauft, sondern auch auf ihrer Bilanz gehortet hatten.“ Da die Banken nun ihr eigentliches Kapitalmarktgeschäft zugunsten des Kreditgeschäfts vernachlässigt haben, könne man folglich rückblickend von einer Kreditkrise und Krise der Kreditbanken sprechen. Mayer fordert vor diesem Hintergrund „eine Neuordnung des Kreditgeschäfts.“

Die „taz“ konstatiert den Ländern der Euro-Zone bei der Bankenregulierung indes klarere Fortschritte als anderen Ländern. „Die EU-Regeln gehen in die richtige Richtung“, wird hierzu der Finanzwissenschaftler Friedrich Thießen von der TU Chemnitz zitiert. „Aber man hätte sich auch striktere Regeln vorstellen können.“ Die Regulierung sei „ein vorsichtiges, ängstliches Herantasten“ an den Punkt, bei dem im internationalen Bankengefüge vieles beim Alten bleibt und die Banken nicht in Regulierungsoasen flüchten. Diese Gefahr sei durchaus real, da laut „taz“ Länder wie die USA bei der Regelumsetzung noch zurückhängen würden.

 


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