Wurden die Lehren aus der Lehman-Pleite gezogen?

16. September 2013 | Von | Kategorie: Top News

BankenrettungAnlässlich der fünfjährigen Wiederkehr des Zusammenbruchs von Lehman Brothers gehen zahlreiche Medien auf Spurensuche, ob und inwieweit Banken, Politik und Regulatoren Konsequenzen aus diesem tiefgreifenden Ereignis gezogen haben.
Die „Süddeutsche Zeitung“ sieht die regulatorischen Ziele im Jahr 5 nach Lehman kaum erreicht. Als Konsequenz aus der Finanzkrise wollte die Politikeigentlich weltweit die Geldinstitute verkleinern. Keines sollte mehr so mächtig sein, dass man es nicht in die Pleite schicken kann. Erreicht wurde jedoch das Gegenteil, klagt die „Süddeutsche Zeitung“. Der Autor unterstellt den Banken, ihre Zockerkultur nur „auf andere Schreibtische“ verlagert zu haben und sich dadurch den Regulatoren zu entziehen. „Selbst der deutschen Bankenaufsicht Bafin ist das nicht gelungen, als sie mehrere Monate lang den Eigenhandel der Banken untersuchte.“ Auch deshalb würden viele Experten es für realitätsfremd halten, das von vielen Politikern geforderte Trennbankensystem einzuführen – und die großen Geldinstitute in solide Geschäftsbanken und riskante Investmentbanken aufzuspalten. Immerhin aber seien auf europäischer und nationaler Ebene einige neue Regeln erlassen worden, die zu Veränderungen geführt haben wie z.B. Einschränkungen bei den Boni-Zahlungen sowie bei der Kundenberatung. Dennoch bleibt die Frage, ob nicht nur „die Fassade getüncht wurde, und dahinter das Spiel weitergeht.“ Fazit des Autors: „Gerät eine große Bank in Schieflage, bringt sie das gesamte Land in Bedrängnis. Soll verhindert werden, dass der Steuerzahler einspringen muss, braucht es ein internationales Regelwerk, welches es erlaubt, auch Bankgiganten geräuschlos abzuwickeln. Doch genau in diesem zentralen Punkt gibt es kaum Fortschritte.“

In einem weiteren Beitrag berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ über die stürmischen Wochen im September 2008, als die US-Bank Lehman Brothers zusammenbrach. Die Europäer und deren Politiker hatten demnach bis zuletzt gehofft und geglaubt, dass Europa hierdurch nicht tangiert werde: So habe der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück dem Bundestag noch am 25.9.2008 versichert, die deutschen Kreditinstitute hätten genug Geld, um „Verluste abzugleichen“. Fazit der „Süddeutsche Zeitung“: „Von wegen.“ Noch am Abend desselben Tages hätten Steinbrück und der damalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann die Horrornachricht vom drohenden Zusammenbruch der Hypo Real Estate (HRE) erhalten. „Es drohte ein deutsches Lehman.“

Unterdessen warnt der Bonner Ökonom Martin Hellwig in einem Interview mit „Euro am Sonntag“ vor einer Wiederholung der Lehman-Pleite und fordert, marode Institute endlich sterben lassen. „Derzeit sind die Banken noch vorsichtig, auch weil sie noch so viele Leichen im Keller abzuarbeiten haben. … Spätestens beim nächsten Boom bieten die neuen Regeln keinen wirksamen Schutz gegen eine Neuauflage der Lehman-Pleite. Lehman kann sich dann jederzeit wiederholen.“ Das Hauptproblem sei der überbesetzte und überdimensionierte bankenmarkt, wo viele Banken kaum noch eine auskömmliche Rendite erwirtschaften können. „Wenn die Banken profitabel sind, könnten sie diese Kapitalbasis ohne Weiteres in wenigen Jahren aus ihrem Gewinn heraus aufbauen. Das Problem ist: Wir haben zu wenig Banken, die profitabel sind. Das heißt: Der Finanzsektor in Europa und weltweit muss erst einmal schrumpfen.“ Hellwigs Generalfazit für den deutschen Bankenmarkt lautet: Wir haben in Deutschland enorme Überkapazitäten, auch weil es aufgrund der Sonderstellung der Landesbanken und aufgrund der Staatshilfen keine Marktbereinigung gegeben hat. Solange diese Überkapazitäten nicht bereinigt sind, so lange müssen wir damit rechnen, dass weiter gezockt wird und dass am Ende der Steuerzahler erneut für Milliardenverluste aufkommen muss.“ Auch ein weiterer Beitrag in „Euro am Sonntag“ warnt: „Strenge Regeln für Banken sollten nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers das Finanzsystem sicher machen mit wenig Erfolg. Die nächste Krise kommt bestimmt.“

Christopher Pleister, Chef der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA), berichtet derweil in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ von einem bislang erfolgreichen Krisenmanagement durch FMSA und SoFFin. So habe man etwa WestLB und HRE sauber abwickeln bzw. restrukturieren können. Sein Fazit: „Es mag mit Bertolt Brecht dahingestellt bleiben, ob es ein schlimmeres Verbrechen ist, eine Bank zu gründen, als eine Bank auszurauben. Es ist auf alle Fälle klüger, eine systemrelevante Bank zu stützen und in einem geordneten Verfahren umzubauen, als sie unkontrolliert zusammenbrechen zu lassen. Und noch klüger ist es, alles daranzusetzen, dass wir nicht nochmals vor einer so schwierigen Wahl stehen wie vor fünf Jahren.“

 


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