Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen: Regulierungstrend ändert Strukturen der Unternehmensfinanzierung

11. November 2013 | Von | Kategorie: Top News

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, warnt in einem ausführlichen Gastbeitrag für die „Börsen-Zeitung“ vor den massiven Konsequenzen der ausufernden Bankenregulierung für die Unternehmensfinanzierung. „Strukturen der Unternehmensfinanzierung ändern sich – Stärkere Kapitalmarktbasierung könnte nun tatsächlich kommen“, fasst Fitschen seine Kernthesen zusammen. Fitschen weiter: „ Die Krise selbst und die Neuordnung des Banken- und Finanzsystems haben das Finanzierungsumfeld deutlich verändert. Und Unternehmen müssen sich auf weitere Anpassungen vorbereiten.“ Grundsätzlich würden Unternehmen weiterhin davon profitieren, dass nach der Krise viele Banken ihr Geschäftsmodell wieder stärker auf das traditionelle Kreditgeschäft mit Firmenkunden ausrichten. „Die Versuchung, wie vor der Krise Kreditersatzgeschäft zu machen, ist durch die regulatorischen Änderungen und die schlechten Erfahrungen in der Krise deutlich geringer geworden“, so der Manager. Bei der Finanzierungsstruktur deutscher Unternehmen beobachte er „seit geraumer Zeit eine Diversifizierung“. Zwar sei der Bankkredit in Deutschland noch immer die dominante Form der Fremdfinanzierung. Aber er verliert an Bedeutung. Laut Fitschen wirken künftig verschiedene strukturelle Faktoren: Unter anderem sind dies die Auswirkungen der Gespräche, die die die Banken im Kontext von Basel II mit ihren Kunden geführt haben. „Bereits damals haben Banken empfohlen, Finanzierungsquellen zu diversifizieren und Eigenkapitalquoten zu erhöhen.“ „Zu diesen strukturellen Trends kommen Veränderungen des Umfelds aufgrund der Neuordnung des Finanzsystems. Neben neuen regulatorischen Rahmenbedingungen wirken vor allem die veränderten Präferenzen der Investoren. Es ist absehbar, dass die strengere Regulierung die Fähigkeit der Banken, Finanzierung zur Verfügung zu stellen, in Zukunft einschränken wird.“ Hinzu komme: Manche Banken hätten nach wie vor nur begrenzt Zugang zu Refinanzierungsmitteln, auch wenn sich die Lage im Vergleich zu 2011/2012 deutlich verbessert hat. Entsprechend gebe es erheblichen Druck auf die Banken, ihre Bilanzen zu verkürzen. Hierunter könnte künftig das Kreditgeschäft leiden. Unternehmen seien deshalb entsprechend gut beraten, für eine Diversifizierung ihrer Finanzierungsquellen zu sorgen. „Zudem können – wie schon bei Basel II – Firmen, die mehr Eigenkapital vorhalten, mit geringeren Finanzierungskosten rechnen.“

 


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