Frage nach CDS-Clearing bleibt weiter unbeantwortet – Studie analysiert zentrale Abwicklung

6. April 2009 | Von | Kategorie: Top News

cdsEin zentrales Clearing von Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps – CDS) gilt als ein Mittel zur Wiederherstellung des Vertrauens am Finanzmarkt.
Im Vorfeld des G20-Gipfels vom vergangenen Wochenende gab es von Expertenseite erneut Forderungen, auch diese Thematik auf die Agenda des Londoner Treffens zu setzen. Doch im sehr allgemein gehaltenen Abschlusspapier finden sich dazu keine Anmerkungen. So hatte Prof. Dr. Paul J.J. Welfens, Präsident des Europäischen Instituts für Internationale Wirtschaftsbeziehungen (EIIW) an der Bergischen Universität Wuppertal, jüngst gemahnt: “Ein ernstes Problem ist, dass viele Banken sich Kreditversicherungspolicen für Kreditportfolios bzw. Verbriefungsprodukte gekauft haben und diese dann im Over-the-counter-Geschäft weiterveräußerten, so dass niemand weiß, wo die Policen – Credit Default Swaps – sind; und wie hoch daher das Counter-Party-Risk ist – was also letztlich die Versicherungspolice als Schutz wert ist und wie entsprechend das zugeordnete Kreditportfolio zu bewerten ist. Eine zeitlich rückwärtige Erfassung aller außerbilanzieller CDS-Verkäufe ist unerlässlich und überfällig.”

EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy hatte die Debatte um ein zentrales Clearing Mitte Januar erneut angestoßen, indem er einen Regulierungsvorschlag seitens der EU-Kommission angekündigt hatte, der darauf abzielt, per Gesetz ein europäisches Abwicklungshaus für Kreditausfallderivate zu etablieren. In Folge hatte die europäische Finanzbranche einen Plan zur Selbstverpflichtung bei der Installierung eines zentralen Clearings vorgestellt, um eine gesetzliche Regulierung seitens der EU abzuwenden. Der internationale Derivateverband ISDA hatte dazu mitgeteilt, dass sich neun führende Marktakteure, darunter Credit Suisse, Deutsche Bank, UBS und Barclays, zum zentralen Clearing verpflichtet haben. Welfens merkte dazu an: “Die EU-Debatte über eine Einführung eines Clearing-System für neue CDS-Transaktionen ist begrüßenswert, aber eben weniger als die Hälfte der Reformaufgabe. Für künftige Verbriefungsprodukte sollte per Regulierung mit Vorgabe gelten, dass der Verkäufer eines solchen Produktes dieses jederzeit zu 50 Prozent des ursprünglichen, ersten Marktpreises zurückzukaufen bereit sein muss. Die jetzige Falle eines nicht bewertbaren Portfolios bzw. einer fehlenden Preisuntergrenze bei Kreditportfolios wird damit künftig vermieden; das angeblich unlösbare Problem toxischer Finanzprodukte ist damit gelöst.”

Derweil haben die Autoren Darrell Duffie und Haoxiang Zhu von der Stanford University in einer aktuellen Studie untersucht, ob und inwiefern ein solches zentrales Clearing zu einer besseren Steuerung von Gegenparteirisiken beitragen kann. Zu den Ergebnissen heißt es zusammenfassend: “We show that, for plausible cases, adding a CCP (central clearing counterparty) for one class of derivatives such as credit default swaps can actually reduce netting efficiency and thereby lead to an increase in collateral demands and average exposure to counterparty default.” Die Autoren betonen in dem Zusammenhang, dass für die Fälle, in denen die Installation einer zentralen Abwicklung sinnvoll erscheint, für jede Derivate-Klasse auch nur jeweils eine Abwicklungsstelle eingesetzt werden sollte.

Die vollständige Studie kann unter folgendem Link eingesehen werden (pdf-Dokument): http://www.stanford.edu/~duffie/DuffieZhu.pdf

 


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