Mangelnde Selbstreflektion der US-Verbraucher nährt Befürchtungen bei Kreditkartenrisiken

8. April 2009 | Von | Kategorie: Top News

kreditkartenJenseits der Abschreibungen aufgrund toxischer Wertpapiere, schweben weiterhin auch mögliche, milliardenschwere Ausfälle bei Kreditkarten-Verbindlichkeiten in den USA als Damoklesschwert über der Finanzbranche.
Eine aktuell vom “Center for Financial Studies” an der Universität Frankfurt am Main veröffentlichte Erhebung zur Verschuldung der US-Privathaushalte nährt diese Befürchtungen. Die Autoren Annamaria Lusardi und Peter Tufano von der Havard Business School untersuchen dabei das Verbraucher-Bewusstsein über die eigene Verschuldungssituation. Den Ergebnissen zufolge ist die Selbstreflektion der Amerikaner gerade beim Thema Kreditkartenschulden wenig ausgeprägt. Nur ein Drittel der Befragten kann demnach die Funktionalität von Kreditkarten und die damit verbundenen Zinsen und Gebühren nachvollziehen. Besonders bedenklich erscheint die Tatsache, dass gerade die schlecht informierten Verbraucher in risikoreichem Maße mit Kreditkarten operieren und in vielen Fällen die eigene Verschuldungssituation nicht mehr überblicken können.

Erst im Februar waren die Zahlungsausfälle bei den US-Kreditkartenanbietern auf den höchsten Stand seit 20 Jahren gestiegen. Der größte US-Kreditkartenanbieter American Express hatte Mitte März für den Februar eine Ausfallrate auf seine ausgegebenen Kredite von 8,7 Prozent mitgeteilt. Im Januar waren es noch 8,3 Prozent. Der Anbieter begründete die Entwicklung mit der steigenden Arbeitslosigkeit in den USA. In der Quote sind nur solche Ausfälle erfasst, von denen das Unternehmen sicher glaubt, dass sie unwiederbringlich verloren sind. Die Ratingagentur Moody’s rechnet damit, dass die Ausfälle für die Kreditkarten-Anbieter bis Ende des Jahres den zweistelligen Prozentbereich erreichen könnten. Bereits eine Ausfallrate von zehn Prozent würde weitere Abschreibungen in Höhe von 75 Mrd. Dollar bedeuten, so jüngste Berechnungen von Analysten. Im Jahr 2008 hatte die Ausfallrate Schätzungen zufolge nur zwischen sechs und sieben Prozent gelegen.

Auch Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanzzentrums, warnte kürzlich im Zusammenhang mit der gesamtwirtschaftlichen Situation in den USA vor diesen Risikoexpositionen. Im Interview mit dem Deutschlandfunk betonte der Experte: “Sie haben da noch ein paar Zeitbomben ticken; das sind insbesondere die Kreditkartenrisiken. Die Amerikaner haben sich hoch verschuldet über ihre Kreditkarten und da kann man eine Rezession gar nicht gebrauchen. Da muss man wieder Aufschwung haben, muss höhere Arbeitszahlen haben, und stattdessen kriegt man mehr Arbeitslose.” (weitere Quelle: Reuters)

Die Studie des “Center for Financial Studies” kann unter folgendem Link vollständig eingesehen werden: http://www.ifk-cfs.de/index.php?id=1580

 


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