“Dynamic Provisioning“ als Einfallstor für Bilanzverschleierung?

9. April 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers13Die Umgestaltung des Eigenkapitalregimes für Finanzinstitute nach dem System des „dynamic provisioning“ gilt unter Experten als eine Option zur besseren Risikoabsicherung der Banken.
Dabei werden diese zum Aufbau von Kapitalpuffern in ökonomisch guten Phasen angehalten – um für negative Marktsituationen vorzusorgen. Das Handelsblatt gibt in seiner heutigen Ausgabe den Vorstandschef der Beratungsfirma BDO International, Jeremy Newman, mit relativierenden Aussagen zu diesem Ansatz wieder. „Man sollte die geplanten Kapitalpuffer auf keinen Fall als Wunderwaffe zur Verhinderung künftiger Krisen sehen“, mahnt Newman und warnt vor versteckten Gefahren und Problemen bei der konkreten Ausgestaltung neuer Eigenkapitalregeln. Dem Bericht zufolge zweifelt der Experte daran, dass sich die aktuellen Verwerfungen allein mit höheren Eigenkapitalquoten hätten vermeiden lassen. „Das Ausmaß der Probleme, mit denen die meisten Banken derzeit konfrontiert sind, ist so groß, dass sie sich auch nicht durch antizyklische Puffer hätten auffangen lassen“, so Newmans Einschätzung.

Das Handelsblatt zitiert den Experten von BDO International weiter, wonach die Banken die geplanten Reformen nutzen könnten, um die wirkliche Qualität ihrer Bilanzen zu verschleiern. Demnach bestehe die Gefahr, dass die Banken zur Praxis der „geheimen Rücklagen“ zurückkehren und eine Modifizierung von Basel II nutzen, um ihre Gewinnentwicklung „nach Wunsch über die Jahre hinweg zu glätten“. Dadurch ließen sich beispielsweise Managementfehler leichter verbergen als bisher, warnt Newman. Auch Roman Frydman, Professor für Ökonomie an der New York University, und Michael D. Goldberg, Professor für Ökonomie an der University of New Hampshire, hatten Anfang der Woche eine antizyklische Ausgestaltung der Eigenkapitalregeln als nicht ausreichend bezeichnet (vgl. RMRG-Bericht vom 7.4.). Vor weiteren unerwünschten Auswirkungen der geplanten Vorschriften warnt auch Bill Wellbelove von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Der Risikomanager konstatiert: „Diese Vorschläge markieren einen tiefen Einschnitt.” Profitabilität und Innovationskraft der Banken könnten unter der Reform empfindlich leiden. Die Rentabilität ganzer Geschäftsbereiche müsse nach Einführung der neuen Maßnahmen überprüft werden.

Zu den Befürwortern des “dynamic provisioning” zählen unter anderem der Chef der britischen Finanzaufsicht Financial Services Authority (FSA), Adair Turner, der in seinem jüngsten, vielbeachtetem Regulierungsentwurf (Turner-Review) diesen Ansatz zur Anwendung im UK-Bankensektor vorgeschlagen hatte. Doch auch führende Bankenvertreter, wie Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, haben Sympathie für diesen Weg des Umbaus von Basel II geäußert.

 


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  1. [...] wonach mit dieser Systematik neuen Bilanzverschleierungen „Tür und Tor“ geöffnet werde (vgl. RMRG vom 9.4.). Nout Wellink betonte, dass man diese Bedenken sicherlich berücksichtigen werde und auf eine [...]