EU einigt sich auf Regulierung von Ratingagenturen / Baseler Ausschuss gibt Banken Empfehlungen

16. April 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers5Die Ausgestaltung einer neuen Finanzmarktregulierung nimmt zumindest auf EU-Ebene stellenweise klarere Konturen an.
„Der erste europäische Rechtsrahmen für Ratingagenturen steht“, konstatiert das Handelsblatt angesichts der Einigung von EU-Staaten und Europa-Parlament bei der künftigen Regulierung von Ratingagenturen. Die Börsen-Zeitung zitiert den Verhandlungsführer im Parlament, Jean-Paul Gauzès, der von einem „sehr guten Ergebnis“ sprach. Mit der Verständigung werde „die Basis für eine europäische Aufsicht gelegt“. Als letzter strittiger Punkt wurde abgeklärt, wer Registrierung und Überwachung der Agenturen übernehmen soll. Demnach soll die Anmeldung nun beim EU-Ausschuss für Wertpapiermärkte (CESR) erfolgen, um S&P, Moody’s, Fitch und Co. eine einzige Anlaufstelle in der EU zu ermöglichen. Die Zulassung und Überwachung der Agenturen sollen aber die nationalen Aufsichtsbehörden übernehmen.

Um dabei eine abgestimmte Zulassung und einen reibungslosen Informationsfluss sicherzustellen, sollen Aufsichtskollegien eingerichtet werden. Außerdem soll der CESR Leitlinien für eine kohärente Kontrolle erstellen. Das Handelsblatt fasst die Regelungen weiter zusammen: „Finanziell unabhängige Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der Ratingagenturen sollen verhindern, dass Gefälligkeitsnoten erstellt werden. Die Vorstände müssen zudem Fachwissen über Verbriefungen und strukturierte Finanzprodukte vorweisen. Ratinganalysten sollen nur höchstens vier Jahre den gleichen Kunden bewerten, damit die Distanz gewahrt bleibt. Den Bonitätsprüfern ist es künftig verboten, ihren Kunden mit Beratung dabei zu helfen, ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern.“

Doch auch auf internationaler Ebene gibt es Bewegung in Sachen Regulierung und Aufsicht. So hat der bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich angesiedelte Baseler Ausschuss aktuell eine Guideline veröffentlicht, die es den Banken ermöglichen soll, die interne Risiko-Evaluation von Finanzinstrumenten zu verbessern.

Im November 2008 hatte der Ausschuss in Anlehnung an Forderungen des Financial Stability Forums (FSF) bereits ein Konsultationspapier zu dieser Thematik veröffentlicht, auf dessen Grundlage nun die endgültigen Empfehlungen verfasst wurden. Vor dem Hintergrund der im Zuge der Finanzkrise in die Kritik geratenen „Fair Value“-Systematik sollen die Banken mittels der Vorschläge dazu angehalten werden, keine zu optimistischen Pricing-Modelle als Basis für die Risikoeinschätzung von Finanzkonstrukten anzuwenden. Die Marktkrise hatte die Berechnungen über vermeintlich zu erzielende Preise für innovative Finanzinstrumente ‘ad absurdum’ geführt. Nach Meinung des Gremiums ist es unabdinglich, dass die Banken bei diesen Bewertungen ein striktes internes Risikomanagement gewährleisten, so dass die Erstellung der Pricing-Modelle auf Basis unterschiedlicher, vertrauenswürdiger Datenquellen erfolgt (weitere Quelle: Wall Street Journal Europe).

Die Vorschläge des Baseler Ausschusses sind unter folgendem Link abrufbar: http://www.bis.org/publ/bcbs153.htm

 


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