Undifferenzierte Medienberichterstattung als Reputationsrisiko für den Pfandbrief?

17. April 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers6Wird der deutsche Pfandbriefmarkt durch eine überzogene Medienberichterstattung in ein negatives Licht gerückt?
Aussagen von Aareal Bank-Vorstand Thomas Ortmanns im Interview mit der “Immobilien Zeitung” lassen auf ein solches Reputationsrisiko für das vormalige Premium-Produkt Pfandbrief schließen. “Der Markt ist keineswegs eingebrochen, so wie es manche Berichte glauben machen wollen. Im Gegenteil: Der Pfandbrief hat sich angesichts des schwierigen Umfelds auch in den vergangenen Wochen gut geschlagen”, so die Aussage des Kapitalmarkt-Vorstands. In der Öffentlichkeit werde kaum zwischen dem Segment der Jumbo-Pfandbriefe (Pfandbriefe mit einem Volumen von mindestens 1 Mrd. Euro) und dem Gesamtmarkt unterschieden. Obwohl es bei den Jumbos aufgrund insgesamt zurückgegangener Neugeschäftsvolumina derzeit wenig Aktivitäten gebe, könne man den Pfandbrief nicht als “Ladenhüter” bezeichnen.

Der Pfandbrief werde durch das allgemeine Misstrauen gegenüber strukturierten Kapitalmarktprodukten in Mitleidenschaft gezogen. “Es wird viel zu wenig differenziert”, kritisiert Ortmanns. Vielmehr gebe es aktuell einige Lichtblicke am Markt. So seien jüngste Jumbo-Emissionen der Eurohypo und der Postbank positiv aufgenommen worden. Erst am Mittwoch hatte die Eurohypo mitgeteilt, dass sie ihren im letzten Jahr emittierten 10-jährigen Jumbo-Hypothekenpfandbrief um 125 Mio. Euro aufstocken wird. „Nach intensiven Gesprächen mit unseren Partnerbanken haben wir uns entschieden, die Emission zu erhöhen, um das Interesse zu bedienen und in der Anleihe weiterhin Liquidität zur Verfügung zu stellen“, sagte Ralf Woitschig, zuständiges Vorstandsmitglied der Eurohypo.

Eine undifferenzierte Berichterstattung der Medien zum Produkt Pfandbrief könnte auch auf eine wenig zielgenaue Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (vdp) schließen lassen. Aareal-Vorstand Ortmanns weist im Gespräch mit der “Immobilien Zeitung” solche Überlegungen zurück. “Der Verband leistet gute Arbeit und unternimmt alles, um gewissen Fehlwahrnehmungen in der Öffentlichkeit und an den Märkten entgegenzuwirken”, so seine Einschätzung. Dennoch bedürfe es einer gemeinsamen Kraftanstrengung des Verbands, der Emittenten und auch der Politik um ungerechtfertigtes Misstrauen auszuräumen.

Erst Ende März trat eine Pfandbriefgesetznovelle in Kraft, die das Ansehen des Produkts verbessern sollte. Darin wurde eine Liquiditätsreserve von 180 Tagen, die Emittenten innerhalb der Deckungsmasse vorhalten müssen, eingeführt. Diese soll dem besonderen Sicherheitsbedürfnis der Pfandbriefgläubiger Rechnung tragen. Konträr zur Absicht das Vertrauen der Anleger wieder zu stärken, hatte sich dagegen eine Änderung der Rating-Methodik von Pfandbriefen und Covered Bonds durch Standard & Poor’s (S&P) ausgewirkt. S&P will damit das individuelle Liquiditätsrisiko von Pfandbriefen im Falle der Insolvenz der emittierenden Bank stärker berücksichtigen. Zudem erweist sich die andauernde Hängepartie bei einem der größten Pfandbrief-Emittenten, der vor der Verstaatlichung stehenden Hypo Real Estate (HRE), als wenig hilfreich. Auch Ortmanns fordert eine zügige Lösung für die HRE: “Dies ist sowohl im Sinne der angeschlagenen Banken als auch der gesunden Institute.” (weitere Quellen: Börsen-Zeitung, Pressemitteilungen)

 


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