Analyse: „Interne Risikomodelle der Banken haben versagt“ / Basel III am Horizont

21. April 2009 | Von | Kategorie: Top News

audioDer Schweizer Rundfunk DRS hat aktuell einen detaillierten Audio-Beitrag zur “Zukunft der Finanzaufsicht” veröffentlicht. Insbesondere die Debatte rund um das Thema Basel II wird exakt nachgezeichnet.
So kommen Experten mit ihren Lösungsansätzen zu dieser Thematik zu Wort – der Fokus wird hier besonders auf die prozyklische Tendenz der Regularien gelegt. Daniel Tarullo, seit kurzem Mitglied des Board of Governors bei der US-Finanzaufsicht Fed, beschreibt, wie die gestiegene Risikosensibilität der Banken zugleich die Prozyklizität von Basel II verstärkt. Bundesbank-Chef Axel Weber kommt im Beitrag mit seiner Forderung nach einer vollständigen internationalen Basel II-Implementierung zu Wort – sieht jedoch zugleich einen „erheblichen Feinsteuerungsbedarf” bei den Eigenkapitalregeln. Er weist dabei auf die problematische Unterscheidung von “kündbaren” und “nicht-kündbaren” Kreditlinien im Regelwerk hin und sieht hier eine großes systemisches Risiko für den Bankensektor.

Der DRS gibt insbesondere dem Finanzexperten Morris Goldstein vom Peterson Institute for International Economics Raum für seine umfangreiche Kritik am „System Basel II“. Sowohl die Praxis der externen Bewertung von strukturierten Finanzprodukten durch Ratingagenturen als auch die bankinternen Risikomodelle kommentiert Goldstein mit negativen Worten. Beide Vorgehensweisen sollten „suspendiert“ werden. An diesem Punkt müssen seiner Ansicht nach die Regulierungsbehörden mit einer vorläufigen Aufsichtsfunktion einspringen – so lange, bis die Banken beim internen Risikomanagement eine „bessere Performance“ aufweisen. Der Baseler Ausschuss habe sich hier bislang jedoch quer gestellt. Diese Haltung erscheine unverständlich, da mit o.g. Problemen zwei grundlegende Prinzipien der Eigenkapitalregeln versagt hätten. Alice M. Rivlin, Wirtschaftsexpertin an der Brookings Institution in Washington, fordert aufgrund dieser Problematik, dass Basel II vor einer Umsetzung und gesetzlichen Verankerung in den USA überdacht werden muss.

Anschließend gibt der Beitrag einen Ausblick auf ein mögliches Nachfolge-Regelwerk „Basel III“, dass den Banken mehr Verantwortung abverlangen werde. Der Baseler Ausschuss sollte nach Ansicht des DRS die Banken mit mehr Entschlossenheit dazu bewegen, seinen Empfehlungen weltweit zu folgen. Mit neuen Regularien könne der Ausschuss beweisen, dass er es „wirklich ernst“ meine, den nächsten Stresstest zu bestehen. Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz fordert hierbei eine effektive Eindämmung der „exzessiven Risikobereitschaft und Gier“ in der Finanzbranche.

Sie können den 24-minütigen Beitrag unter folgendem Link anhören bzw. downloaden:
http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/kontext/5005.sh10079054.html

 


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