Stresstest-Methodik für US-Banken könnte enttäuschen

22. April 2009 | Von | Kategorie: Top News

tickerDie Nachrichtenagentur Bloomberg hat aktuell eine kritische Analyse der von der US-Finanzaufsicht implementierten Stresstests für die 19 größten Banken des Landes veröffentlicht.
Zwei Monate nach Ankündigung der Tests hätte sich das Modell in der öffentlichen Betrachtung von einer ursprünglich angedachten, bankinternen Überprüfung der Eigenkapitalpuffer quasi zu einer Allzweck-Lösung für die Probleme der Finanzmärkte gewandelt. Die Investoren sollten ihre Erwartungen an die für den kommenden Freitag angekündigte Offenlegung der Test-Methodik unbedingt zurückschrauben – ansonsten müsse mit breiter Enttäuschung am Markt gerechnet werden. „Es hat 10 Jahre gebraucht, um Basel II auf den Weg zu bringen – und dennoch haben die Modelle versagt“, betont Josh Rosner, Managing Director beim Investment Research-Dienstleister Graham Fisher & Co., mit Blick auf die internationalen Eigenkapitalregeln. „Ist es realistisch, dass das US-Finanzministerium und die federführende New York Fed innerhalb von zwei Wochen einen alternativen Stresstest entwickeln können?”, so seine zweifelnd formulierte Frage.

Eigentlich seien die Tests entworfen worden, um das Vertrauen der Investoren in die Banken wieder zu stärken. Doch das krampfhafte Bemühen der US-Regierung, die Stresstests einerseits in der Öffentlichkeit als effektive Methode der Risikoabsicherung darzustellen und andererseits, die beständige Aversion gegenüber der Veröffentlichung jeglicher Ergebnisse, haben nach Meinung des Experten, das Vertrauen eher geschwächt. Auch US-Finanzminister Timothy Geithner hat gestern im Rahmen seiner Aussagen vor einem Kongressausschuss die Erwartungen an die für den 4. Mai angekündigte Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse gedämpft. Auf deren Basis könne man kaum eine präzise und differenzierte Einschätzung des Bankensektors vornehmen. Ziel sei es vielmehr, dessen generelle Stärke hervorzuheben. „Anfangs war der Stresstest als Transparenzoffensive der neuen Regierung verkauft worden – von diesem Ziel hat Washington inzwischen Abstand genommen“, analysiert die Financial Times Deutschland. Dennoch hatte sich Geithner optimistisch gezeigt, dass die angeschlagenen US-Banken vorerst keine neuen staatlichen Kapitalspritzen mehr brauchen. „Die meisten Banken haben mehr als genug Kapital, um als gut kapitalisiert zu gelten“, betonte der Finanzminister. Zudem gebe es Anzeichen für ein Auftauen der Kreditmärkte und für den Wiederaufbau von „Vertrauen in die Stabilität des Systems“.

 


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