Veröffentlichung zu US-Stresstests enttäuscht – Vereinbarte “Theatralik” zwischen Regierung und Banken

27. April 2009 | Von | Kategorie: Top News

artikelDie Erwartungen an die Veröffentlichung der Stresstest-Methodik für die 19 größten US-Banken wurden schon im Vorfeld von Experten gedämpft – und diese sollten Recht behalten.
Die am Freitag bereitgestellte 21-seitige Publikation der Federal Reserve (Fed) lässt jegliche Details vermissen, die Rückschlüsse auf die wirkliche Situation des US-Bankensektors zulassen. Die schwammigen Aussagen, wonach die Finanzinstitute künftig deutlich dickere Kapitaldecken als bislang vorgeschrieben vorhalten müssten – das aber die Ergebnisse der Stresstests kein Maß für die gegenwärtige Zahlungsfähigkeit der Institute seien, haben die Marktbeobachter ratlos zurückgelassen. Die Fed äußerte sich in ihrer Erklärung auch nicht dazu, auf welches Niveau die 19 Banken ihre Kapitalpuffer aufstocken sollten. Das Handelsblatt veröffentlicht dazu die Meinung des Informationsdiensts “breakingviews”, der festellt, dass das Dokument hauptsächlich aus Begründungen besteht, warum die Regierung die Simulationen für nötig hielt. ” [...] bis die Ergebnisse am 4. Mai tatsächlich publiziert sind, wird die Unsicherheit über das Schicksal des Finanzsektors bleiben”, betont Autor Dwight Cass.

Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung hatte die Financial Times Deutschland betont, dass das gesamte Verfahren zu einer „Farce“ verkommen sei. Aufgrund der mäandrierenden Informationspolitik der US-Regierung und der Fed werde die Seriosität der Tests angezweifelt und die Marktakteure würden Klüngel zwischen Behörden und der Wall Street wittern. Den von Fed-Chef Ben Bernanke angekündigten Zeitraum von 6 Monaten, den die Banken eingeräumt bekommen sollen, die infolge der Test-Ergebnisse ihre Eigenkapitaldecke aufbessern müssen, halten Experten für einen Teil der vereinbarten “Theatralik” zwischen US-Administration und Finanzinstituten. Die Tageszeitung “USA Today” zitiert den Vize-Chairman der Financial Services Group von Deloitte, James Reichbach: “Wenn Banken weiteres Kapital benötigen sollten, dann wir es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Test-Ergebnisse schon längst von diesen vorgehalten werden können. Eine andere Vorgehensweise ist nicht vorstellbar.” Der Staat werde den entsprechenden Finanzinstituten bis zum 4. Mai zu weiteren indirekten Kapitalspritzen verhelfen.

Derweil veröffentlichte Morgan Stanley eine eigene Analyse, welche die Banken benennt, die auf weitere staatliche Unterstützung angewiesen sein könnten. Insbesondere bei den großen US-Regionalbanken SunTrust, KeyCorp und Regions Financial erscheine diese Option unumgänglich. Die Großbanken Bank of America und Wells Fargo befinden sich der Analyse zufolge in einer “Grau-Zone” – die Notwendigkeit einer signifikanten Aufstockung des Eigenkapitals kann nicht ausgeschlossen werden. In der vergangenen Woche hatte die Investment-Boutique Keefe, Bruyette & Woods bereits ihre Einschätzung publiziert, wonach alle 19 getesteten Banken einen weiteren Kapitalbedarf von insgesamt einer Billion Dollar hätten (weitere Quellen: New York Times, Reuters, Dow Jones Newswires).

Die Veröffentlichung der Fed zur Methodik der Stresstests ist unter folgendem Link einsehbar: http://www.federalreserve.gov/newsevents/press/bcreg/20090424a.htm

 


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Ein Kommentar
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  1. [...] die vorherige Absprachen zwischen US-Administration und den Finanzinstituten vermuteten (vgl. RMRG vom 27.4.). Die Börsen-Zeitung kommentiert: “Das Gemauschel hat seinen Grund, und zwar denselben, aus [...]