Prozyklik und “Value at Risk”: Wiederholt Solvency II alte Fehler?

28. April 2009 | Von | Kategorie: Regulierung

papers1„Die Banken als schlechtes Vorbild für Versicherer“, so die Überschrift zu einem Gastkommentar von Jean Azema, Chef des Versicherers Groupama und Präsident des Verbands französischer Versicherer auf Gegenseitigkeit, im Handelsblatt.
Er verweist dabei auf die Tatsache, dass die neuen Eigenkapitalregeln für Versicherer (Solvency II) auf der Methodik ebendieser Regularien für Banken (Basel II) aufbaut. Solvency II würde sämtliche Aspekte von Basel II reproduzieren, „die seit dem Beginn der Finanzkrise lebhaft kritisiert werden und die die Kreditinstitute in diesen schwierigen Zeiten so stark beeinträchtigen“. Das bisherige Regelwerk sei zwar einfach strukturiert und „nicht perfekt“ – dennoch sei der europäische Versicherungssektor heute solide aufgestellt und verfüge über eine ausreichende Kapitaldecke, merkt Azema an.

„Die durch Basel II eingeführte Verzerrung des Wettbewerbs zwischen Geschäftsbanken, die den Zwängen der bankenaufsichtsrechtlichen Regulierung unterliegen, und den Investmentbanken, bei denen dies nicht der Fall war, hat zu der exzessiven Entwicklung der Verbriefung und dem Hebeleffekt beigetragen, die zunächst hohe Renditen und Managervergütungen ermöglichten und dann in die Krise führten“, kritisiert Azema weiter. Solvency II wiederhole diesen Fehler. Azema verweist zudem auf die problematische prozyklische Wirkung der Regularien und kritisiert die Methode des „Value at Risk“. Diese berge erhebliche theoretische Mängel, und im Fall von Versicherungen sei gar einer ihrer Parameter – der einjährige Zeithorizont – schlichtweg absurd, da das Versicherungsgeschäft langfristig angelegt sei.

Das Europäische Parlament hatte vergangene Woche Solvency II verabschiedet. Dadurch werden die Versicherer erstmals auch angehalten, Kapital zur Absicherung des Marktrisikos, des Kreditrisikos und des operationellen Risikos zu halten. Die Richtlinie sieht zudem eine kollektive Aufsicht durch die nationalen Behörden in den Staaten vor, in denen eine Versicherungsgruppe tätig ist (weitere Quelle: Dow Jones Newswires).

 


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  1. [...] James J. Schiro, Chef der Versicherungsgruppe Zurich, äußert sich im Interview mit dem Handelsblatt zur Gefahr der Überregulierung und zur aktuellen Debatte um die Eigenkapitalregeln für Banken und Versicherungen. Schiro wird gefragt, ob man mit den neuen Solvency II-Regeln die gleichen Fehler wie in Basel II wiederhole. Dessen Antwort: „Wer Solvency II verhindern wollte, weil die neuen Regeln zu höheren Kapitalerfordernissen führen können, für den sind das gute Argumente. Man wird in der Implementierungsphase in der Tat darauf achten müssen, ob das neue Regelwerk prozyklisch wirken kann. Doch auch wenn Solvency II nicht das perfekte Regelwerk ist, ist es auf jeden Fall ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“ Deutlich kritischer äußerte sich vor kurzem Jean Azema, Chef des Versicherers Groupama und Präsident des Verbands französischer Versicherer auf Gegenseitigkeit, der ebenfalls im Handelsblatt bemängelt hatte, dass Solvency II zu sehr auf die Systematik von Basel II zurückgreife (vgl. RMRG v. 28.4.) [...]