FTD: Debatte um Basel II und Kreditklemme ist Wahlkampf-Theater

6. Mai 2009 | Von | Kategorie: Basel III

„Bei uns verklemmt nix“, so das knappe Fazit von Tobias Bayer, Kolumnist für die Financial Times Deutschland, beim Blick auf das immer wieder bemühte Szenario einer Kreditklemme. Der Autor erkennt in Aussagen wie von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt – Zitat: „Deutschland steuert auf eine Ratingfalle zu“ – reines Wahlkampfkalkül. „Heim, Hof, Kirche und der Duschring-Weltmarktführer aus Klein-Ottmaning, alle bedroht durch Basel II und fiese Banken, die mit ihren Taschenrechnern saftige, grüne Weidelandschaften plattwalzen?“, so die süffisante Frage des Kolumnisten. Dieser sieht den Zusammenhang zwischen Eigenkapitalregeln und einer vermeintlichen Kreditverknappung nicht gedeckt – erkennt aber: „Die Zusammenhänge sind weit komplizierter, als man das in Parteiprogrammen aufschreibt. Dass die Zeit der billigen Darlehen vorbei ist, liegt nicht an den Banken, sondern an anderen verachtenswerten Akteuren.“

Bayer erteilt auch Forderungen nach Aussetzung oder Aufweichung von Basel II eine klare Absage: „Das Heil in der Lockerung der Basel-Richtlinien zu suchen ist ein populistischer Irrweg: Weder ist Kredit knapp, noch ist es verwerflich, wenn die Banken angesichts steigender Ausfallrisiken die Kreditvergabe verschärfen.“ Es stelle sich für die Politik eine andere Frage: „Wie erwecke ich den Verbriefungsmarkt zum Leben? Und wie gestalte ich ihn so, dass sich die Exzesse der Vergangenheit nicht wiederholen?“ Denn das größte Problem bei Thema Kreditvergabe sieht der Autor im Zusammenbruch des Schattenbankensystems. „Der Kollaps des Verbriefungsmarkts, die Diskreditierung der Collateralized Debt Obligations (CDOs) wird dauerhaft zu einer Verknappung der Kredite führen.“

 


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