Baseler Ausschuss erwägt deutliche Erhöhung der Mindestkapitalanforderungen für Banken

6. Mai 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers_messDie derzeit beim Baseler Ausschuss in Bearbeitung befindliche Modifikation der Basel II-Eigenkapitalregeln könnte in deutlich höheren Mindestkapitalanforderungen für Banken münden.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters heute berichtet, hat sich der Vorsitzende des Gremiums und Gouverneur der niederländischen Notenbank, Nout Wellink, auf einer Pressekonferenz in Kuala Lumpur dahingehend geäußert, dass sich die Mindestquote um „einige Prozentpunkte“ erhöhen könnte. Man habe diese schärferen Anforderungen aber noch nicht im Detail diskutiert. Der Ausschuss-Vorsitzende merkte dazu jedoch an, dass ein Ausbau der Kapitalpuffer nur nach Überwindung der aktuellen Finanzkrise darstellbar sei. Auch die Ergänzung von Basel II um eine feste Verschuldungsgrenze (Leverage Ratio) befindet sich beim Baseler Ausschuss immer noch in Prüfung. Nout Wellink erklärte, dass mit einer Leverage Ratio ein „Sicherheitsnetz“ für Basel II eingezogen werden könnte. Zum Stand der Diskussion bei diesem Thema, führte Wellink aus: “Ich denke, dass das gesamte Paket in der ersten Jahreshälfte 2010 komplettiert wird und das im Falle der internen Verständigung auch eine Leverage Ratio enthalten sein wird.” Der Baseler Ausschuss hatte eine feste Eingrenzung der Verschuldung von Finanzinstituten vor einigen Jahren noch strikt abgelehnt.

Nach Bericht von Reuters zeigte der Vorsitzende des Baseler Gremiums auch verstärkte Sympathien für eine Ausgestaltung der Eigenkapitalregeln nach dem System des „dynamic provisioning“. Die spanische Zentralbank hatte diese Regulierung, die den Aufbau zusätzlicher Kapitalpuffer in ökonomisch guten Phasen vorschreibt, im dortigen Bankensektor implementiert und damit nach Experten-Meinung, die spanischen Kreditinstitute besser auf die aktuellen Markverwerfungen vorbereitet. Es gibt jedoch auch Befürchtungen, wonach mit dieser Systematik neuen Bilanzverschleierungen „Tür und Tor“ geöffnet werde (vgl. RMRG vom 9.4.). Nout Wellink betonte, dass man diese Bedenken sicherlich berücksichtigen werde und auf eine transparente Ausgestaltung dieses Systems abzielen werde.

Derweil hat sich Yu Zhu, Finanzprofessor an der China Europe International Business School und ehemaliger Direktor der Modeling and Analytics Group bei Merrill Lynch, in einem Gastbeitrag für das Branchenblatt „The Asian Banker” kritisch zu den Umbauarbeiten des Ausschusses geäußert. Insbesondere das Festhalten an der “Value at Risk”-Bewertung (VaR) – wenn auch in überarbeiteter Form – stößt bei ihm auf Skepsis. Es stelle sich die Frage, ob eine akkuratere Ausgestaltung des VaR durch den Baseler Ausschuss überhaupt noch sinnvoll ist. Die bislang vom Ausschuss vorgelegten Vorschläge seien zu kompliziert und verwirrend. Die derzeitige Krise lasse es fraglich erscheinen, ob VaR den Banken angesichts ihrer toxischen Assets und überdimensionierter Risikohebel weiterhilft.

Statt einem Festhalten am VaR schlägt der Finanzprofessor eine Rückbesinnung auf Basel I vor. Der erste Kapital-Akkord sei zwar simpel strukturiert aber modell-unabhängig und adressiere das Systemrisiko deutlich besser als Basel II. Es gehe jedoch nicht darum, Basel I wieder als Standard einzuführen, sondern auf dessen Basis, ein einfacheres, effizienteres und weniger prozyklisches Eigenkapitalregime zu entwickeln. Diese Lösung könne sich „zwischen Basel I und Basel II“ finden lassen.

 


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3 Kommentare
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  1. [...] Erst vor kurzem hatte der Vorsitzende des Baseler Ausschusses und Gouverneur der niederländischen Notenbank, Nout Wellink, angedeutet, dass sich im Zuge des Umbaus der Basel II-Eigenkapitalrichtlinien, die Mindestkapitalanforderungen an Banken um „einige Prozentpunkte“ erhöhen könnte. Das Gremium will einen Neuentwurf der Regularien in der ersten Jahreshälfte 2010 vorlegen (vgl. RMRG vom 6.5.). [...]

  2. [...] Die spanische Zentralbank hatte diese zusätzliche Regulierung nach dem System des “dynamic provisioning” im dortigen Bankensektor implementiert und damit nach Experten-Meinung, die spanischen Kreditinstitute besser auf die aktuellen Markverwerfungen vorbereitet. Diese stringentere Auslegung der Eigenkapitalregeln erfolgte unter der Ägide des damaligen Notenbankchefs Jaime Caruana (2000-2006), der seit Anfang April Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist. Der BIZ ist auch der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht zugeordnet. Dieses für die Neugestaltung der Eigenkapitalrichtlinien maßgeblich verantwortliche Gremium hatte erst vor kurzem Sympathien für das “dynamic provisioning” verlautbaren lassen (vgl. RMRG vom 6.5.). [...]

  3. [...] Im Rahmen der Jahreskonferenz der British Bankers Association (BBA) erteilte Jose Maria Roldan, Vorsitzender der Standards Implementation Group des Baseler Ausschusses, Forderungen nach einem neuen Eigenkapitalregelwerk „Basel III“ eine deutliche Absage. „Basel III? No way“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Roldan. Man werde bei der Modifizierung der Regularien sicherlich nicht in die Richtung eines solchen Regelwerks gehen – vielmehr verliere das Thema „Basel III“ mehr und mehr an Relevanz. Der Generaldirektor für den Bereich Bankenregulierung bei der Banco de España merkte jedoch auch an, dass das bisherige Regelwerk Basel II keineswegs “perfekt” sei. Daher ziele das Baseler Gremium darauf ab, Basel II regulatorisch zu verstärken und eine vollständige internationale Implementierung sicherzustellen. Die Regularien müssten nicht ersetzt werden, sondern durch die Einziehung eines weiteren Sicherungsnetzes ergänzt werden. Roldan nahm damit Bezug auf die Äußerungen des Vorsitzenden des Baseler Ausschusses, Nout Wellink, der bereits Anfang Mai angedeutet hatte, dass das Gremium eine zusätzliche Verschuldungsgrenze (Leverage Ratio) für Banken in Erwägung ziehe (vgl. RMRG vom 6.5.). [...]