Stresstests auch für europäische Großbanken? / Ergebnisse für US-Banken ohne Aussagekraft

7. Mai 2009 | Von | Kategorie: Top News

testsNach Bericht der Börsen-Zeitung sind in der EU Forderungen aufgekommen, ähnlich zum Vorgehen in den USA die europäischen Großbanken einem Stresstest zu unterziehen.
Der finnische Finanzminister Jyrki Katainen hatte am Dienstag in Brüssel gefordert, der Bereinigung der Bankbilanzen in Europa einen Stresstest nach US-Vorbild vorzuschalten. „Wir brauchen eine europaweite Methode für Banken-Stresstests. Wir können keine Erholung der Realwirtschaft erwarten, ehe nicht das Vertrauen in den Bankensektor zurückkehrt“, begründete Katainen seine Forderungen gegenüber Reuters Financial TV. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück bestätigte, dass sich die Ministerrunde zu diesem Thema ausgetauscht habe. Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass die Bekanntgabe von Ergebnissen dieser Prüfungen die Lage der Banken nicht noch verschlechtere. „Deshalb interessiert mich sehr die Frage, wie mit den Ergebnissen solcher Stresstests umgegangen wird, sodass es nicht zu einer Beschädigung der Banken kommt“, erklärte Steinbrück.

Schon die allgemeine Aufregung im Vorfeld der heute nach US-Börsenschluss anstehenden Veröffentlichung der Test-Ergebnisse für die größten US-Banken scheinen Steinbrücks Einwände zu bestätigen. „Der Stresstest heißt wohl so, wie er heißt, weil die Banken unter Stressbedingungen getestet werden. Man könnte aber auch meinen, weil er so vielen Stress bringt: der Börse, den Banken – und der Regierung“, kommentiert das Finanz-Portal “boerse.ard.de”. Die Börsen-Zeitung bezweifelt in ihrem heutigen Leitartikel die Sinnhaftigkeit der Überprüfungen und bezeichnet die US-Banken im Kontext der Debatte um deren Kapitalaustattung als “Nebelbanken”. Auch die Financial Times Deutschland überschreibt ihren heutigen Beitrag zum Thema süffisant: “Voll der Endstress”. “[...] das kakofone Chaos an Gerüchten und Dementis stresst Anleger mehr als jedes Ergebnis”, analysiert das Blatt.

RMRG hatte bereits vor einiger Zeit Analystenstimmen wiedergegeben, die vorherige Absprachen zwischen US-Administration und den Finanzinstituten vermuteten (vgl. RMRG vom 27.4.). Die Börsen-Zeitung kommentiert: “Das Gemauschel hat seinen Grund, und zwar denselben, aus dem Behörden das Ergebnis aufsichtsrechtlicher Prüfungen in der Regel lieber gleich für sich behalten. Denn welcher Regulator, der noch ganz bei Trost ist, wird mit der gleichsam hochoffiziellen Feststellung überraschen wollen, dass eine der großen Adressen gefährdet ist, falls sich die Rezession verschärft?” Die heutige Veröffentlichung der Test-Ergebnisse habe im Endeffekt keine Aussagekraft für Analysten und Marktakteure. “Was die Krisenresistenz angeht, so steht den US-Banken der wahre Stresstest mit der Entwicklung in den kommenden Monaten bevor. In der Frage der Ertragsqualität wäre es Sache der Anleger, mehr Transparenz einzufordern. Von der Aufsicht dürfen sie derzeit bei diesen Fragen nicht viel erwarten”, so das abschließende Fazit.

 


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