„Bad Bank“-Pläne entfachen breite Debatte / Preisfindung für toxische Wertpapiere entscheidend

11. Mai 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers13Im Zuge der aktuellen Planungen des Bundesfinanzministeriums und des Wirtschaftsressorts zur Einrichtung eines Systems so genannter „Bad Banks“, haben sich Experten mit deutlicher Kritik zu Wort gemeldet.
Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass sich die Ministerien mit der EU-Kommission darauf geeinigt hätten, dass die an die „Bad Bank“ ausgelagerten toxischen Assets von den Banken mit einem Anteil von 10 Prozent an den Staat zurückgezahlt werden müssen. Das macht nach Meinung der Experten eine Auslagerung praktisch unmöglich. Angeführt wird das Beispiel der Commerzbank, die bei einer Übergabe ihrer problematischen Wertpapiere (Volumen 55 Mrd. Euro) mit einer Belastung von 5,5 Mrd. Euro konfrontiert werde und somit auf neuerliche staatliche Kapitalspritzen angewiesen wäre.

In einem Beitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ kommen auch Beatrice Weder di Mauro, Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung, und Martin Hellwig, Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, zu der Erkenntnis, dass die bisher publik gewordene Pläne der Bundesregierung zur Errichtung von „Bad Banks“ halbherzig seien. Man müsse sich jetzt stärker mit den Risiken für die Solvenz der Banken auseinandersetzen. „Es genügt nicht, die Papiere auszulagern und mit buchhalterischen Taschenspielertricks dafür zu sorgen, dass die damit verbundenen zukünftigen Verpflichtungen der Bank heute nicht bilanziert werden müssen. Man muss auch dafür sorgen, dass diese Verpflichtungen keine fatalen Verhaltensanreize schaffen“, so die Aussage der Experten.

Nach Bericht der “Süddeutschen Zeitung” formiert sich insbesondere am linken Flügel der SPD massiver Widerstand gegen die bisher durchgedrungenen Details zum “Bad Bank”-System. Abgezielt werde hier auf eine verpflichtende Teilnahme aller Finanzinstitute an einem solchen System. “Wir wollen keine freiwillige, sondern eine verbindliche Teilnahme an dem Modell”, erklärte der haushaltspolitische Sprecher der SPD, Carsten Schneider, gegenüber der “Süddeutschen Zeitung”. Außerdem habe sich die Auffassung durchgesetzt, dass die Gründung der Bad Banks allein nicht ausreiche, um den Banken über die Krise hinweg zu helfen und den Kapitalmarkt wieder reibungslos funktionieren zu lassen. “Die Bad Banks alleine reichen dafür nicht”, wird Schneider zitiert. So sollen alle Institute darauf verpflichtet werden, ihre Eigenkapitalquote deutlich zu stärken. Das solle vorzugsweise durch eine direkte Beteiligung des Staates oder des Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) geschehen. Zur Finanzierung der Kosten der Finanz- und Wirtschaftskrise will die SPD zudem alle deutschen Banken stärker heranziehen. In den kommenden Jahren sollen dazu alle Bank- und Finanzinstitute eine “Sonderabgabe” bezahlen, fordert Schneider im heutigen “Tagesspiegel”. Daraus sollen die Milliardenschulden bezahlt werden, die dem Bund durch den SoFFin entstehen. “Die Rettung der Banken darf nicht allein auf den Schultern der Steuerzahler lasten”, sagte Schneider.

Dagegen deutete der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Andreas Schmitz, im Interview mit dem Handelsblatt grundsätzliche Unterstützung für die Regierungs-Pläne an. Wichtig sei die Tatsache, dass die Banken durch die Auslagerung problematischer Assets erst einmal Zeit gewinnen würden. „Der Staat ist der Einzige, der dieses Problem gleichsam aussitzen kann“, sagte Schmitz. „Die Abschreibungsspirale muss gestoppt werden. Nur so kann – und das ist der entscheidende Grund für die Bad Bank – eine Kreditklemme vermieden werden.“

Nach den bisher bekannt gewordenen Details, will das Bundesfinanzministerium den Banken die Option einräumen, Zweckgesellschaften zu gründen, in die sie ihre aktuell wertlosen Assets auslagern können. Die Institute erhalten für diese im Gegenzug Schuldpapiere. Diese verlieren nicht an Wert, weil der Bund dafür garantiert. “Die Banken zahlen dafür eine Gebühr und sie verpflichten sich, die Verluste, die durch die Schrottpapiere entstehen, später zu übernehmen. Einen Teil dieses Betrages sollen die Institute ansparen. Der Rest wird finanziert, indem der Bund so lange die Dividenden der Aktionäre einstreicht bis er keinen Verlust mehr aufzuweisen hat”, erklärt die SZ.

Als letztendlich entscheidend für eine realistische Einschätzung der Kosten- und Gebührenstruktur wird von Experten das Pricing der auszulagernden Assets angesehen. Aufgrund der zusammengebrochenen Märkte für strukturierte Papiere (z.B. hypothekenbesicherte Verbriefungen und Kreditausfallversicherungen) kann dabei kein aktueller Marktwert zugrunde gelegt werden. Konkret sieht der Regierungsentwurf vor, dass die Banken ihre toxischen Papiere zum Buchwert an die Zweckgesellschaften auslagern können. Bei der Übertragung der Wertpapiere an die Zweckgesellschaft sollen Wirtschaftsprüfer einen realistischen Verkehrswert ermitteln, von dem zusätzlich ein Risikoabschlag abgezogen wird. Die Differenz von Buch- und Verkehrswert zahlt die Bank in dem neuen Konzept über 20 Jahre in gleich bleibenden Raten an den SoFFin. Sollte nach Ablauf dieser Zeit die Zweckgesellschaft mit einem Verlust abschließen, müsse die betroffene Bank dafür aufkommen.

Einen interessanten Ansatz zur schwierigen Preisfindung von Assets, für die zeitweise keine Märkte bzw. kein Handel exisitiert, präsentieren in diesem Zusammenhang die Experten Massimo Guidolin und Francesca Rinaldi vom Departement der US-Finanzaufsicht Fed in St. Louis. In einer aktuellen Studie entwerfen sie ein einfaches Modell zum Pricing von risikoreichen Anlagen. Dabei werden Maßnahmen für die Politik formuliert, wie die “wahrgenommene Unsicherheit” der Marktakteure adressiert und gedämpft werden kann.

Die vollständige Studie kann unter folgendem Link eingesehen werden: http://research.stlouisfed.org/wp/more/2009-020/

 


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