Ist die Zeit reif für Stresstests der europäischen Banken?

15. Mai 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers_ftIn einem aktuellen Kommentar unterstützt die „Financial Times“ die Forderung des Internationalen Währungsfonds, auch im europäischen Bankensektor Stresstests zur Überprüfung der Kapitalausstattungen zu implementieren.
Ein Großteil der Verantwortlichen auf Politik- und Aufsichtsebene in Europa lasse die Banken in einer „Wolke von Unsicherheit umherstolpern“ – verbunden mit der vagen Hoffnung, dass sich die Finanzinstitute selbst aus der Krise kämpfen könnten. Um die Kreditvergabe wieder anzukurbeln, müssen die Verantwortlichen nach Meinung der FT eine Unterscheidung zwischen starken und schwachen Banken vornehmen, so dass staatliche Rekapitalisierungen zielgenau gesetzt werden können. Den Marktakteuren müsse die Situation der einzelnen Banken transparent dargestellt werden. Der durch den europäischen Ausschuss der Bankenaufseher (CEBS) geplante systemische Stresstest – dessen Ergebnis der Öffentlichkeit zudem nicht zugänglich gemacht werden soll – sei daher wenig effektiv. „Regulators must show us, not tell us, that their banks are solvent“, so die Forderung der FT.

Die EU plant, dem US-Vorbild ansatzweise zu folgen und auch für die EU-Bankenbranche Stresstests anzusetzen. Dabei soll jedoch nicht der etwaige Kapitalbedarf einzelner Finanzinstitute in ökonomischen Stressphasen ermittelt werden, sondern eine Betrachtung für das gesamte EU-Bankensystem vorgenommen werden. „Es geht darum, aggregierte Daten für einen Gesamtüberblick über Risiken zu bekommen“, zitiert die Financial Times Deutschland eine Sprecherin des CEBS, der die Erhebungen bis September umsetzen soll. Die Ergebnisse sollen allerdings nicht öffentlich gemacht werden, sondern im September dem Wirtschafts- und Finanzausschuss (WFA) der EU vorgelegt werden. „Im WFA sind die Finanzministerien, die EU-Kommission und die EZB durch Spitzenbeamte vertreten“, erklärt die FTD.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hatte am Mittwoch Kritik an dem Vorhaben geübt. „Die EU-Kommission hat die Bundesregierung damit etwas überrascht“, so die Aussage Steinbrücks zu entsprechenden Vorschlägen der EU-Kommission. „Wir hätten uns gewünscht, dass zur Frage der Stresstests erst einmal interne Überlegungen angestrengt würden, eh man damit sehr schnell in die Öffentlichkeit geht“, betonte Steinbrück. „Man muss sehr genau wissen, ob solche Stresstests einen prozyklischen, negativ verstärkenden Effekt haben können.“ Das Risiko sei, wie in den USA Ergebnisse zu bekommen, „die anschließend vom Treasury oder der Fed korrigiert werden müssen und einen kontraproduktiven Effekt haben.“

Die ablehnende Haltung Steinbrücks kritisiert die FT – der Finanzminister liege hier falsch. Transparenz sei der einzige Weg, die aufgrund Unsicherheit und mangelndem Vertrauens der Marktakteure entstandene Krise zu bekämpfen (weitere Quelle: Dow Jones Newswires).

 


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