“Gigantischer Bilanzierungstrick” und “Antiklimax” – Experten kritisieren deutsches “Bad Bank”-Konstrukt

18. Mai 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers7Das vergangene Woche von der Bundesregierung beschlossene Modell zur Entsorgung toxischer Wertpapiere in so genannte “Bad Banks” stößt nach genauerer Detail-Analyse auf die Kritik von Experten und Kommentatoren.
In seiner Kolumne für die heutige “Financial Times” erkennt der Finanzexperte Wolfgang Münchau in dem Plan der Regierung einen “gigantischen Bilanzierungstrick”, der die deutschen Banken letztendlich nicht entlasten könne. Die Regelungen könnten aufgrund der steuerzahlerfreundlichen Gebührenstruktur die Rekapitalisierung der Institute behindern. Zwar garantiere der Staat für die problematischen Assets, doch die Banken seien an den Verlusten einer etwaigen Veräußerung beteiligt und müssten dafür in Zukunft Rückstellungen in ihren Bilanzen vornehmen. In einem Kommentar erkennt auch die Süddeutsche Zeitung in diesem „Bad Bank“-Modell eine abschreckende Wirkung und zweifelt am Erfolg der Lösung. Ein Grund: „Der Staat verbürgt nämlich nicht den Wert der Schrottpapiere, wie er derzeit in den Büchern steht. Er verlangt einen Abschlag von zehn Prozent. Wer also wie Dresdner und Commerzbank Schrottpapiere über 35 Mrd. Euro gehortet hat, kann auf einen Schlag 3,5 Mrd. Euro aus der Bilanz streichen. Das wäre in etwa so, als ob eine Bank von einem Häuslebauer verlangt, sofort nach Auszahlung des Kredites eine Sondertilgung von zehn Prozent zu leisten.“

Weitere Kritik entzündet sich an der freiwilligen Teilnahme der Kreditinstitute an dem Programm. In seinem Kommentar zu Thema hält der Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau, Robert von Heusinger, den Kabinettsbeschluss daher schon zwei Tage nach Verabschiedung für gescheitert. Er verweist auf Äußerungen von Commerzbank-Chef Martin Blessing, der sich im Rahmen der Hauptversammlung seines Instituts dahingehend geäußert hatte, dass er aktuell keine Notwendigkeit zur Auslagerung toxischer Papiere durch seine Bank sehe. “Damit wird der Konstruktionsfehler der Bad Bank offensichtlich: Er lautet Freiwilligkeit. Das Management darf selber entscheiden, ob es giftige Papiere in eine Bad Bank auslagert, um wieder Spielraum für die Vergabe neuer Kredite zu erlangen”, betont der Kommentator. Blessings Ausführungen ließen zwar darauf schließen, dass den Banken mit dem geplanten Modell nichts geschenkt werde – doch andererseits würden sie auch die schlechte Situation der Bank offenbaren. “Sie kann sich wahrscheinlich noch nicht einmal den Abschlag von zehn Prozent auf die toxischen Papiere leisten, der am Anfang jeder Auslagerung in die Bad Bank steht. Der Abschlag auf ihre toxischen Papiere würde wohl unweigerlich ein so großes Loch ins Eigenkapital reißen, dass sie erneut Geld bräuchte, erneut Geld vom Staat, der damit seinen Anteil von bislang 25 Prozent weiter aufstocken müsste”, mutmaßt von Heusinger.

Für die Experten von JP Morgan ist das deutsche “Bad Bank”-Konstrukt gar ein “echter Antiklimax”. Die Analysten bemängeln in einer Studie insbesondere, dass in dem Modell nur strukturierte Finanzierungen berücksichtigt werden und keine Kredite. Auch hier wird kritisiert, dass über das Modell lediglich eine laxere Bilanzierung erlaubt werde, indem Aktiva dekonsolidiert und Verluste zeitlich gestreckt werden. Nach Bericht der “Börsen-Zeitung” halten die JP Morgan-Analysten den anvisierten Risikoabschlag mit Blick auf Banken, die demgegenüber hohe Abschreibungen vorgenommen hätten, aber nicht anders behandelt würden, für “etwas unfair”. Zudem werde der Risikoabschlag von 10 Prozent nur vorgenommen, wenn dadurch die Kernkapitalquote Tier 1 der Banken nicht unter 7 Prozent rutsche, bemängeln die Experten.

Frank Bollmann von der Beratungsgesellschaft Duff & Phelps verweist im Interview mit der Börsen-Zeitung zudem auf die weiterhin vakante Problematik der Bepreisung der toxischen Wertpapiere. Aufgrund der ausgefallenen Märkte für die Papiere lasse sich kein objektiver Preis ermitteln, daher führe an der Bewertung anhand von Berechnungsmodellen “kein Weg vorbei”. Die Modelle zur Bepreisung der Wertpapiere würden so entwickelt, dass alle zum Stichtag verfügbaren Informationen in die Bewertung mit einfließen, gibt die Zeitung Bollmann wieder. Doch das Ergebnis bleibe natürlich immer eine fundierte Schätzung, die allerdings solide Aussagekraft habe. Das größte Problem bei der Bewertung werde wohl die Datenflut sein, die mit der Übernahme der verschiedenartig ausgestalteten Papiere einhergeht.

Vor dem Hintergrund problematischen Preisfindung der toxischen Anlagen hat RMRG vor kurzem einen Lösungansatz der Finanzexperten Massimo Guidolin und Francesca Rinaldi vorgestellt (RMRG vom 11.5.).

 


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