Baseler Ausschuss gewinnt an Bedeutung – Analyse zur Interaktion von Markt- und Kreditrisiko

20. Mai 2009 | Von | Kategorie: Top News

risikoDie Finanzmarktkrise hat deutlich gemacht, dass die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – und dabei insbesondere der bei der BIZ angesiedelte Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht – neue Konzepte zur effektiven Markregulierung entwickeln muss.
„Gesetze erlassen kann die BIZ nicht, aber ihre Empfehlungen sind wegweisend“, unterstreicht „Finanz und Wirtschaft“ die gestiegene Bedeutung der Institution. Auch die BIZ habe die Krise nicht vorausgesehen und konnte sie auch nicht verhindern. Dabei beleuchtet die Zeitung die Wirkung der Basel II-Eigenkapitalregeln kritisch: Der bei der BIZ in jahrelanger Arbeit entwickelte Kapital-Akkord habe „auf der ganzen Linie versagt.“ Daher seien jetzt strengere Regeln und neue Konzepte gefragt. Nach Meinung des Blattes werde die BIZ daher künftig als „Think Tank“ und Diskussionsplattform an Bedeutung gewinnen – müsse sich dabei jedoch auch vermehrt unangenehmen Fragen der Öffentlichkeit stellen müssen.

Erst vor kurzem hatte der Vorsitzende des Baseler Ausschusses und Gouverneur der niederländischen Notenbank, Nout Wellink, angedeutet, dass sich im Zuge des Umbaus der Basel II-Eigenkapitalrichtlinien, die Mindestkapitalanforderungen an Banken um „einige Prozentpunkte“ erhöhen könnten. Das Gremium will einen Neuentwurf der Regularien in der ersten Jahreshälfte 2010 vorlegen (vgl. RMRG vom 6.5.).

Doch auch in der Zwischenzeit zeigt der Ausschuss erkennbare Bemühungen, den Finanzsektor bei der Stärkung des Risikomanagements zu unterstützen. So wurden vor kurzem die ersten Ergebnisse einer Arbeitsgruppe veröffentlicht, die die Interaktion von Markt- und Kreditrisiken untersucht. Unter dem Vorsitz der EZB haben dabei Vertreter der großen internationalen Noten- und Zentralbanken versucht, die traditionell getrennt vorgenommen Risikobetrachtungen zusammenzuführen. Die jüngste Finanzmarktkrise habe deutlich gemacht, dass das Marktrisiko und das Kreditrisiko interagieren und sich in Stressphasen gegenseitig verstärken können. Aus der Perspektive der Finanzaufsichten sei es daher entscheidend diese Zusammenhänge zu analysieren und die Risikodefinitionen genau zu beschreiben. Bei o.g. Interaktion ist es nach Ansicht der Arbeitsgruppe wichtig, die Rolle der Liquiditätssituation der Banken und deren Verbriefungsaktivitäten mit in die Betrachtung einzubeziehen.

In der Bankpraxis werde die Differenzierung beider Risikoklassen bislang durch relativ simple Ansätze vorgenommen – so z.B. „on the basis of instruments, market liquidity, accounting treatments or holding periods“, erklärt die Arbeitsgruppe. Hier müsse künftig sichergestellt werden, dass diese pragmatischen Unterscheidungen die Risikomanager nicht dazu verleiten, wichtige Risiken, die sich aus der Interaktion von Markt- und Kreditrisiko ergeben, zu ignorieren.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe des Baseler Auschusses sind unter folgendem Link einsehbar: http://www.bis.org/publ/bcbs_wp16.htm

 


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