Eigenkapitalregeln in der Finanzkrise: Hat die Bundesbank versagt?

25. Mai 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers12Das Magazin „Capital“ sieht die Deutsche Bundesbank „unter Denkmalschutz“, da die Notenbank im Zuge der Finanzkrise zwar „kläglich versagt“ habe aber nun dennoch mit weiteren Kompetenzen bei der Finanzaufsicht ausgestattet werden soll.
So hätten sich die Notenbankkollegen im Ausland beispielsweise in Sachen Eigenkapitalregime weitaus besser geschlagen. „So forderte die spanische Zentralbank bereits Jahre vor der Krise die Banken des Landes auf, in guten Jahren höhere Reserven für Kreditausfälle aufzubauen, die sie in schlechten Jahren dann wieder abbauen dürfen. Die Banco de España widersetzte sich damit den internationalen Eigenkapitalregeln. Basel II, so ihr Argument, gewähre den Geldhäusern zu viele Schlupflöcher. Dank dieser Eigensinnigkeit gingen die spanischen Banken im Schnitt mit einem dreimal so hohen Eigenkapitalpuffer ins Krisenjahr 2007 wie die deutschen Wettbewerber.“

Die spanische Zentralbank hatte diese zusätzliche Regulierung nach dem System des “dynamic provisioning” im dortigen Bankensektor implementiert und damit nach Experten-Meinung, die spanischen Kreditinstitute besser auf die aktuellen Markverwerfungen vorbereitet. Diese stringentere Auslegung der Eigenkapitalregeln erfolgte unter der Ägide des damaligen Notenbankchefs Jaime Caruana (2000-2006), der seit Anfang April Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist. Der BIZ ist auch der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht zugeordnet. Dieses für die Neugestaltung der Eigenkapitalrichtlinien maßgeblich verantwortliche Gremium hatte erst vor kurzem Sympathien für das “dynamic provisioning” verlautbaren lassen (vgl. RMRG vom 6.5.).

Ebenso wie die spanische Zentralbank habe die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Großbanken im vergangenen Jahr neben den Baseler Regeln zusätzlich auf nationale Eigenkapitalregeln verpflichtet, merkt „Capital“ weiter an. Nun gehe die SNB sogar noch einen Schritt weiter und bereite Maßnahmen vor, sodass systemrelevante Finanzinstitute im Notfall geordnet liquidiert oder zerschlagen werden können. Der SNB-Vizepräsident Philipp Hildebrand halte es „auch aus demokratischer Sicht nicht für akzeptabel“, dass Großbanken sich darauf verlassen, im Zweifel vom Steuerzahler gerettet zu werden. „Verglichen mit diesen beiden Notenbanken macht die Bundesbank alles andere als eine gute Figur, sie lässt sich vom Krisengeschehen treiben und wartet auf internationale Vereinbarungen, von denen niemand weiß, bis wann sie umgesetzt sind“, so die Kritik.

 


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