Sachverständigenrat und Bundesbank uneins bei Stresstests für EU-Banken

3. Juni 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers_ftStellvertretend für die Experten des Sachverständigenrats der Bundesregierung und des entsprechenden französischen Pendants äußern sich Beatrice Weder di Mauro und Jean Pisani-Ferry in einem Beitrag für die „Financial Times“ kritisch zum geplanten systemischen Stresstest der europäischen Bankenbranche.
Der Ansatz greife zu kurz und räume den nationalen Aufsichten zu viel Mitspracherecht ein. Es würden lediglich grobe, makroökonomische Vorgaben formuliert, nach denen die einzelnen Banken getestet werden sollen. Hier könnten Risikobewertungen von Bilanzposten durch nationale Aufseher zugunsten der heimischen Banken ausgelegt werden. Zudem werde das Ergebnis des systemischen Stresstests erst im September vorgelegt werden – konkrete Details für einzelne Finanzinstitute seien erst gar nicht zugänglich. Nach Ansicht von Weder di Mauro und Pisani-Ferry könne es sich Europa nicht erlauben, noch vier Monate auf diese wenig aussagekräftigen Ergebnisse zu warten. Stattdessen sei ein systematischer, europäischer Ansatz notwendig.

Für diesen Ansatz schlagen Weder di Mauro und Pisani-Ferry sowohl einheitliche makroökonomische Vorgaben und Bilanzierungsansätze, als auch einheitlich vorgegebene Stressszenarien vor. Zudem müsse dieses Stresstesting der größten europäischen Geldinstitute von zentraler Stelle beaufsichtigt werden. An ebendieser sollten auch die Ergebnisse zusammengeführt werden. Die Autoren dringen auf die Veröffentlichung aller Ergebnisse – auch für einzelne Banken. Nur auf diesem Wege lasse sich das Vertrauen in den europäischen Bankensektor wieder stärken. Abschließend fordern die Sachverständigen die Regierungen der EU-Länder auf, sich umgehend für die Implementierung eines solchen einheitlichen Stresstesting einzusetzen.

Derweil berichtet das Handelsblatt in seiner heutigen Ausgabe über unterschiedliche Auffassungen unter den europäischen Notenbanken zur Implementierung dieser einheitlich formulierten Tests. Während Frankreichs Notenbankchef Christian Noyer in Zeiten der Krise einen Stresstest für die europäischen Banken unter der Federführung der Europäischen Zentralbank favorisiert, bremst der für die Bankenaufsicht in Deutschland zuständige Bundesbanker Franz-Christoph Zeitler. Dieser plädiert weiter dafür, die Verantwortung für eventuelle Tests bei den nationalen Aufsichten zu belassen. Zudem warnte Zeitler davor, dass sich eine Veröffentlichung der Detail-Ergebnisse als kontraproduktiv erweisen könnte. „Einheitliche Stresstests für alle Banken in der EU dürften zu wenig sinnvollen und potenziell irreführenden Ergebnissen führen“, so die Einschätzung des Bundesbankers.

 


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