Banken nähern sich Stresstests: Deutsche Bank und Goldman Sachs dämpfen Ängste

15. Juni 2009 | Von | Kategorie: Top News

testsEiner aktuellen Analyse der Deutschen Bank zufolge, ist die unter europäischen Politikern und Bankern verbreitete Furcht vor einheitlich gestalteten, individuellen Stresstests für europäische Banken unbegründet.
„Wir glauben, dass viele Banken in Europa ausreichend mit Kapital ausgestattet sind und in der Lage wären, einem Stresstest wie in den USA standzuhalten“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus der Veröffentlichung. Jedoch könnten die deutschen, irischen und skandinavischen Banken dabei Gefahr laufen, schlechter abzuschneiden als ihre Wettbewerber in der EU. Das liege vor allem an einem schwer zugänglichen Kapitalmarkt. Zudem sehen die Analysten bei den einheimischen Kreditinstituten höhere Risiken durch deren Engagement bei kleinen und mittleren Unternehmen.

Auch Erik Nielsen, Chefvolkswirt von Goldman Sachs, spricht sich in einem Beitrag für die heutige Frankfurter Allgemeine Zeitung für die Implementierung einzelner Stresstests für systemrelevante, europäische Finanzinstitute aus. Nielsen fragt: „Warum also sollte man nicht für mehr Klarheit in Bezug auf die Stärke der Banken sorgen, damit diese damit beginnen können, sich das so dringend benötigte Kapital zu beschaffen?“ Zwar könne sich die Gestaltung eines einheitlichen Tests aufgrund der verschiedenen Regulierungssysteme in Europa als schwierig erweisen, jedoch könne bislang nicht der Verdacht widerlegt werden, dass die Banken einen Stresstest nicht bestehen würden. „Deshalb werden sie auch kaum Zugang zu langfristigem Kapital erhalten. So bleibt ihnen keine andere Wahl, als ihre Bilanzen durch Gewinnerzielung mühsam wieder auf eine solide Grundlage zu stellen.“ Diesen Weg hält der Chefvolkswirt von Goldman Sachs aber für abwegig, da er sich über 2 bis 3 Jahre erstrecken könne. Im Laufe dieses Prozesses könnten „Zombie-Banken“ entstehen, die eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung in Europa nicht unterstützen könnten. „Diese Vorstellung ist so erschreckend, dass man lieber nicht daran denken will. Wenn wir jetzt Stresstests durchführen und die zugrunde liegenden Annahmen und Ergebnisse veröffentlichen, löst dies vielleicht nicht alle unsere Probleme. Aber einen Versuch ist es wert“, so das Fazit von Nielsen.

Derweil hat Peer Steinbrück auf dem G8-Finanzministertreffen erneut seine ablehnende Haltung gegenüber dem Stresstesting der EU-Banken formuliert. Die europäischen Banken würden bereits systemischen Stresstests unterliegen, da sie – anders als die US-Institute – unter dem Basel II-Regelwerk operieren. Zudem sei der EU-Bankensektor wesentlich heterogener strukturiert als sein US-Pendant. Aus diesem Grund befürchtet Steinbrück, dass die Veröffentlichung einzelner Ergebnisse zu Missverständnissen führen könnte. Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, teilt die Ängste seines Parteikollegen jedoch nicht. Im Interview mit dem “Tagesspiegel am Sonntag” hält er Stresstests nach dem US-Vorbild für eine interessante Option. “Zur Wiederherstellung von Vertrauen ist Transparenz notwendig. Durch Stresstests ließe sich herausfinden, wie hoch die Risiken und der Eigenkapitalbedarf sind. Das wäre in wenigen Wochen zu machen und eine wichtige Voraussetzung, um die Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft wieder in Gang zu setzen”, betonte Schneider (weitere Quellen: Wall Street Journal Europe, Die Welt).

 


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