Bad-Bank-Modell könnte in weiterer Bilanzverlängerung münden

17. Juni 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers13Dorothea Schäfer und Klaus Zimmermann vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) äußern sich in einem Gastkommentar für das Handelsblatt kritisch zum Bad-Bank-Modell der Bundesregierung.
Für die Autoren hat es den Anschein, „als wollten sich die Politiker um jeden Preis um den notwendigen klaren Schnitt und eine transparente Bereinigung der Bankbilanzen herumdrücken“. „Anstatt auf Zuführung frischen Kapitals setzt der Bad-Bank-Plan der Bundesregierung lediglich auf Freisetzung des vorhandenen, aber bislang in den toxischen Papieren gebundenen Eigenkapitals“, so die Analyse. Es sei fraglich, ob mit diesem Ansatz die Kreditvergabe der Banken wieder angekurbelt werden kann. Kredite müssten auch finanziert werden – hier zeige das Modell Schwächen. Denn: „Die Bank müsste selbst erst einen Kredit aufnehmen, z.B. indem sie die gerade erhaltenen Staatsanleihen bei der Zentralbank verpfändet. Heraus käme eine Verlängerung der Bilanz und damit bei konstantem Eigenkapital eine Erhöhung des Verschuldungsgrades.“

Weitere Zweifel am Modell rühren aus der Tatsache, dass die Eigenkapitalbasis der Banken durch das vorgesehene “Abstottern” der Überzahlung toxischer Papiere geschwächt werde. Selbst hinter die propagierte Freisetzung von Eigenkapital müsse ein Fragezeichen gesetzt werden. Sie würde zumindest teilweise zunichte gemacht, “wenn nach der Reform von Basel II steigende Verschuldung mehr Eigenkapital erfordert.“

Ob Bad Banks aufgrund ihrer Struktur die Liquidität der Finanzinstitute letztlich tatsächlich verbessern, muss sich erst noch zeigen, heißt es in einem Beitrag des Branchenblatts “Immobilien & Finanzierung”. In die vorgesehenen Zweckgesellschaften könnten nach derzeitigem Stand auch notleidende Kredite (NPL) eingelagert werden – diese Möglichkeit werde zumindest verhalten bereits diskutiert. „Denn auch diese Kredite belasten die Bilanzen der Kreditinstitute, sie müssen im Zuge von Basel II mit mehr Eigenkapital hinterlegt werden als andere Kredite, sie bringen keine Zinsen und sie binden Liquidität und die Arbeitskraft der Mitarbeiter“, erklärt Autor Kolwja A. Zimmer, Geschäftsführer der immofori GmbH. Doch rät er von dieser Option ab, da die Forderungen auf diesem Wege nicht aktiv bearbeitet und verwertet würden. Als Alternative schlägt er vor, die Darlehen an einen Special Servicer zu übertragen. Dadurch könnten die Bilanz entlastet, die eigenen Ressourcen geschont und Erträge generiert werden.

Die entsprechende, detaillierte Analyse der DIW-Experten kann unter folgendem Link vollständig eingesehen werden: http://www.diw.de/documents/publikationen/73/99166/dp897.pdf

 


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