Die Schweiz als Regulierungsspitzenreiter / “too big to fail”-Dilemma muss adressiert werden

23. Juni 2009 | Von | Kategorie: Top News

aufsichtkurveDie Schweiz ist bei ihren Bemühungen um eine neue Regulierung des Bankensektors international führend.
Als eines der ersten Länder hat sie die Eingekapitalregeln für Großbanken drastisch verschärft. So muss das risikogewichtete Eigenkapital von UBS und Credit Suisse die internationalen Mindestanforderungen nach Basel II um das Doppelte übertreffen. Darüber hinaus werden den zwei Banken auch feste Grenzen beim Verschuldungsgrad (Leverage Ratio) gesetzt. Dabei muss ihr ungewichtetes Eigenkapital grundsätzlich deutlich mehr als 3 Prozent der Konzern-Bilanzsumme betragen. Ausnahmen davon werden nur in wirtschaftlich schlechten Zeiten toleriert. „Eine vergleichbare Vorschrift besteht einzig für US-Geschäftsbanken“, analysiert der „Tages-Anzeiger“. Ergänzt werde das neue Kapitalregime noch um eine Liquiditätsregulierung für die Großbanken, die gegenwärtig umfassend überarbeitet wird. Das Blatt sieht insbesondere die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit ihrem Vizepräsidenten Philipp Hildebrand als treibende Kraft. Dieser habe als erster Notenbanker in Europa die Idee einer „Leverage Ratio“ für Banken vorgeschlagen. Hildebrand leitete auch eine Arbeitsgruppe im Rahmen des „Financial Stability Forum“, welche die Eckpunkte eines stärker risikobasierten Vergütungssystems für die Finanzbranche entwickelte. Zusammen mit dem Chef der Bank of England, Mervyn King, habe der SNB-Vize außerdem die entscheidenden Denkanstöße gegeben, Liquidationsverfahren für systemrelevante Banken anzustreben.

Der Kolumnist der Financial Times Deutschland, Lucas Zeise, lobt in einem aktuellen Kommentar die Anstrengungen der Schweiz in Sachen Neuregulierung. Das Land habe „wenigstens einen Schritt in die richtige Richtung“ gemacht. „Sie haben die notwendige Eigenkapitalquote an der Bilanzsumme erhöht. Können Banken nicht genügend Eigenkapital organisieren, müssen sie dann eben Geschäft abbauen.“ Die Forderungen des Vize-Präsidenten der SNB zur Abwicklung maroder Banken, stoßen bei Zeise ebenso auf wohlwollende Kommentierung. Hildebrandt und Mervyn King hätten als einige der wenigen Regulierer für eine „Schrumpfkur“ der Banken plädiert. „Wenn Banken zu groß werden, um scheitern zu dürfen, wie das weltumspannend Realität gewordene Bonmot ‚too big to fail’ suggeriert, dann müsse man sie eben entsprechend verkleinern, aufspalten oder zerlegen“, fasst der Autor Kings Position zusammen. Das ähnliche Mechanismen im Rahmen der neuen EU-Finanzmarktregulierung unbeachtet bleiben, kritisiert der FTD-Kolumnist scharf.

Auch die neue Finanzaufsichtsstruktur in den USA schenkt dieser Problematik zu wenig Aufmerksamkeit und verstärke das “too big to fail”-Dilemma sogar – so jedenfalls die Einschätzung der Bloomberg-Kolumnistin Caroline Baum. Sie zitiert dazu Peter Wallison, Senior Fellow beim Think-Tank „American Enterprise Institute“, der konstatiert, dass die Pläne von US-Präsident Barack Obama alle systemrelevanten Finanzinstitute einer verschärften Regulierung unterziehen. Seine rhetorische Frage: “Was könnte das möglicherweise bedeuten?” Die Antwort: “Sie sind ‘too big to fail’.”

 


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