Ackermann formuliert Agenda zur Finanzmarktregulierung

24. Juni 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers15In einem Gastbeitrag für die heutige Ausgabe der „Neuen Zürcher Zeitung“ versucht Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann Ansatzpunkte aufzuzeigen, die beim Wiederaufbau des internationalen Finanzsystems adressiert werden müssen.
„Für ihn ist eines eindeutig: International integrierte Finanzmärkte lassen sich mit nationalen Aufsichtsstrukturen nicht vereinbaren“, fasst die NZZ zusammen. Der Bankchef plädiert dabei für eine ganzheitliche Herangehensweise, die auch den Rückgriff auf bewährte Mechanismen beinhalten sollte. Demnach sollten die Grundsätze der Finanzmarktregulierung bewahrt werden. „Dazu zählen die weltweite Angleichung der Finanzmarktregulierung, der Grundsatz einer evidenzbasierten Regulierung und der Grundsatz eines prinzipienbasierten Regulierungsansatzes“, erklärt Ackermann. Eine Rückkehr zu einer vereinfachten Regulierung – z.B. die aufgekommene Forderung nach einer Umgestaltung der Eigenkapitalregeln für Banken in einer Kombination der Grundprinzipien von Basel I, verbunden mit einer festen Verschuldungsgrenze (Leverage Ratio) – lehnt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank hingegen ab.

Folgende, exemplarische Schritte formuliert Ackermann in seinem Beitrag für die NZZ:

1.) Zentraler Ansatzpunkt ist ein besseres Risikomanagement der Banken. Risikodisziplin und regulatorische Anforderungen für die Übernahme von Risiken müssen verstärkt werden. An die Stelle von blindem Vertrauen in das Urteil von Rating-Agenturen muss eigene Analysekapazität treten. Diese darf nicht unkritisch auf quantitative Modelle bauen, sondern muss mehr Szenarioanalysen und Stresstests zum Inhalt haben.

2.) Investoren und Regulatoren werden verlangen, dass Banken künftig mehr Eigenkapital vorhalten – auch wenn keineswegs erwiesen ist, dass mehr Eigenkapital diese Krise verhindert hätte. Einigkeit besteht darüber, die Eigenkapitalanforderungen für ausgewählte Risikopositionen, besonders im Handelsbuch, zu erhöhen. Gleichzeitig gilt es, das Kind nicht mit dem Bad auszuschütten. Konzeptionell bleibt der risikosensitive, modellbasierte Ansatz von Basel II richtig. Eine Rückkehr zu vermeintlich einfachen Instrumenten wie zum Beispiel einer „Leverage Ratio“ wäre ein gravierender Rückschritt.

3.) Das Thema Liquiditätsrisiko ist von Regulatoren ebenso wie von den Banken sträflich vernachlässigt worden – obwohl uns allen hätte klar sein müssen, dass ein stärker marktbasiertes Finanzsystem besonders anfällig für ein Austrocknen der Liquidität ist. Konsequenterweise muss der Vermeidung von Fristen- und Währungsinkongruenzen sowie der Wahrung einer ausgewogenen Finanzierungsstruktur zukünftig mehr Gewicht zukommen. Darüber hinaus müssen Zentralbanken und Finanzindustrie gemeinsam Instrumente und Mechanismen entwickeln, die im Krisenfall die Bereitstellung von Notfall-Liquidität sicherstellen; dabei ist, das hat die Krise gelehrt, nur ein international abgestimmtes Vorgehen zielführend.

4.) Die Transparenz muss größer werden – über die Risikoposition der einzelnen Banken, die Verteilung der Risiken im System, über die Risiken, die den Produkten inhärent sind, und auch über die Risikosteuerungsprozesse der Banken.

5.) Wir brauchen eine robustere Marktinfrastruktur, die das Finanzsystem insgesamt in die Lage versetzt, den Ausfall einzelner, auch großer Marktteilnehmer zu verkraften. Zentrale Kontrahenten sind ein wichtiges Instrument hierfür; im Segment für Kreditderivate sind hier bereits erste Resultate zu sehen. Dabei dürfen wir nicht übersehen: Eine solche Zentralisierung von Marktgeschehen birgt ihrerseits Risiken für Stabilität und Wettbewerb; gleichermaßen reduziert die damit einhergehende Standardisierung von vormals OTC gehandelten Finanzinstrumenten die Margen, was den Ertragsdruck für Banken erhöhen wird.

 


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2 Kommentare
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  1. [...] Eigenkapitalregeln in Erwägung gezogen wird. So lehnten Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann (vgl. RMRG vom 24.6.) und Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und [...]

  2. [...] Zeitung“ hatte Ackermann das Instrument einer Leverage Ratio jüngst negativ kommentiert (vgl. RMRG vom 24.6.). Tags: Basel II, Baseler Ausschuss, BIZ, Finanzmarktregulierung, Jose Maria Roldan, Josef [...]