Baseler Ausschuss erteilt Basel III-Regelwerk klare Absage – Bundesbank kritisiert Arbeit des Gremiums

1. Juli 2009 | Von | Kategorie: Top News

aufsichtkurveIm Rahmen der Jahreskonferenz der British Bankers Association (BBA) erteilte Jose Maria Roldan, Vorsitzender der Standards Implementation Group des Baseler Ausschusses, Forderungen nach einem neuen Eigenkapitalregelwerk „Basel III“ eine deutliche Absage.
„Basel III? No way“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Roldan. Man werde bei der Modifizierung der Regularien sicherlich nicht in die Richtung eines solchen Regelwerks gehen – vielmehr verliere das Thema „Basel III“ mehr und mehr an Relevanz. Der Generaldirektor für den Bereich Bankenregulierung bei der Banco de España merkte jedoch auch an, dass das bisherige Regelwerk Basel II keineswegs “perfekt” sei. Daher ziele das Baseler Gremium darauf ab, Basel II regulatorisch zu verstärken und eine vollständige internationale Implementierung sicherzustellen. Die Regularien müssten nicht ersetzt werden, sondern durch die Einziehung eines weiteren Sicherungsnetzes ergänzt werden. Roldan nahm damit Bezug auf die Äußerungen des Vorsitzenden des Baseler Ausschusses, Nout Wellink, der bereits Anfang Mai angedeutet hatte, dass das Gremium eine zusätzliche Verschuldungsgrenze (Leverage Ratio) für Banken in Erwägung ziehe (vgl. RMRG vom 6.5.).

Fast wortgleich hatte auch der Vorsitzende der Policy Development Group beim Baseler Ausschuss, Stefan Walter, gegenüber der englischsprachigen Fachzeitschrift “Risk” einen dritten Eigenkapital-Akkord abgelehnt. “Basel III” sei immer mit der vollständigen, bankinternen Risikomodellierung in Verbindung gebracht worden. Die Krise habe hier jedoch eine Überforderung der Finanzinstitute offenbart. Auch Walter betonte, dass man auf eine Ergänzung der risikobasierten Messzahlen durch die Einziehung einer „simple Grundebene“ abziele.

Derweil hat sich Erich Loeper, Zentralbereichsleiter Banken und Finanzaufsicht bei der Bundesbank, mit Kritik an der Arbeit des Baseler Ausschusses zu Wort gemeldet. Im Rahmen eines Bundesbank-Symposiums kritisierte er die Downgrades der Ratingagenturen bei strukturierten Wertpapieren. Er stellte ein Modell zur Diskussion, demnach die Banken bei der Eigenkapitalberechnung für strukturierte Wertpapiere das Urteil der Ratingagenturen künftig ignorieren könnten. Loeper schlägt vor, alle strukturierten Wertpapiere unabhängig von ihrem Rating bei der Kapitalunterlegung gleich zu behandeln. Dies solle zumindest so lange gelten, bis sich die Märkte beruhigt haben. Der Bundesbanker äußerte Unverständnis, dass der Baseler Ausschuss nach wie vor die Ratings für die Eigenkapitalunterlegung von strukturierten Wertpapieren als Basis heranziehe. „Die Bundesbank hat dem Baseler Ausschuss einen Vorschlag unterbreitet, dass man zumindest für eine Übergangszeit zu Standardrisikogewichten zurückkehrt“, erklärte Loeper. Damit schließe sich die Bundesbank den Wünschen der deutschen Banken an, kommentiert die Financial Times Deutschland.

Das vollständige “Risk”-Interview mit Stefan Walter ist unter folgendem Link einsehbar: http://www.risknews.net/public/showPage.html?page=862933

 


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2 Kommentare
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  1. [...] Basel II durch eine Leverage Ratio seitens des Baseler Ausschusses mittlerweile festzustehen (vgl. RMRG vom 1.7.). Die EU-Kommission, die sich in ihren Reformbemühungen bei der CRD-Eigenkapitalrichtline eng an [...]

  2. [...] Roldan, Vorsitzender der Standards Implementation Group des Gremiums, schon Ende Juni betont (vgl. RMRG vom 1.7.). Bereits in einem Beitrag für die „Neue Zürcher Zeitung“ hatte Ackermann das Instrument [...]