Angst vor Kreditklemme löst bei Politikern Aktionismus aus

6. Juli 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers4Offenbar schon in Vorausblick auf den anstehenden Wahlkampf, schießt sich die Politik unter dem Schlagwort Kreditklemme auf die Finanzinstitute ein.
Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) forderten die Banken eindringlich auf, mehr Kredite an Unternehmen zu vergeben. Auch Bundespräsident Horst Köhler schloss sich dem Appell an. Steinbrück drohte in einem Interview der „Bild am Sonntag“ mit noch nie „da gewesenen Maßnahmen“, sollte es in der zweiten Jahreshälfte zu einer Kreditklemme kommen. Die Financial Times Deutschland titelt daher: „Bund erpresst Banken.“ In Bankenkreisen wurde die Androhung von Zwang mit Achselzucken registriert, berichtet das Handelsblatt. „Ich habe keine Ahnung, was das sein soll“, wird ein Banker zitiert.

In einem Kommentar kritisiert die Financial Times Deutschland die Politiker-Kritik an den Banken. Das Phänomen einer zurückgehenden Kreditvergabe sei in einer Rezession normal. „Da sich Geschäftsaussichten und Auftragslage verschlechtern, sinkt die Bonität und damit die Bereitschaft der Banken, Geld zu verleihen. Verstärkt wird dieser Effekt durch die hohen Eigenkapitalquoten, die Banken nach den Basel II-Richtlinien für Schuldner mit geringer Bonität hinterlegen müssen. Die Institute, die bei Krediten genauer hinsehen als sonst und ihr Geld lieber bei der Zentralbank parken, handeln also völlig rational“, so die Einschätzung des Blattes.

Im Interview mit dem „Euro am Sonntag“ äußert der Präsident des Bundesverbands Groß- und Außenhandel (BGA), Anton Börner, Bedenken, wonach das Bad-Bank-Modell der Bundesregierung nicht ausreichen könnte, um eine Kreditklemme zu vermeiden. Börner bringt daher den Verkauf auch von „guten Krediten“ ins Spiel. Seine Begründung: „Neben der Belastung durch die toxischen Wertpapiere werden die Bankbilanzen bald massiv durch einen Mix aus konjunkturellen Bewertungsabstrichen und Eigenkapitalerfordernissen nach Basel II [...] getroffen werden. Denn im Zuge des gegenwärtigen konjunkturellen Abschwungs steigt die Ausfallrate aller, also auch der guten Kredite. Der konjunkturelle Anstieg der Risiken erfordert aber nach den neuen Basel II-Regeln eine massiv steigende Hinterlegung mit Eigenkapital.“ Die Banken seien jedoch derzeit nicht in der Lage, dieses Kapital aufzubringen – daher müsse die Politik jetzt handeln.

 


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