Finanzplatz lehnt Instrument einer “Leverage Ratio” kategorisch ab

13. Juli 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers_messBei der Vorstellung des aktuellen Berichts der Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD) haben die federführenden Chefvolkswirte verschiedener deutscher Banken, effektive Maßnahmen zur Dämpfung der prozyklischen Entwicklungen des Finanzsystems eingefordert.
Aus diesem Grund plädiere die IFD dafür, die Bilanzierung zum Zeitwert nur dort zu verlangen, wo es sinnvoll sei, betonte der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater. Die Fair-Value-Bilanzierung sei bei langfristig ausgerichteten Positionen der Banken nicht unbedingt nötig. Auch beim Thema Basel II erwarte man eine „Weiterentwicklung“. Zuvor sollte jedoch eine Analyse der Wirkungszusammenhänge vorgenommen werden, wird Kater von der Börsen-Zeitung wiedergegeben. Die IFD verweist hierbei ausdrücklich auch auf die Systematik des „dynamic provisioning“. Kater kommentierte den jüngsten Versuch von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, auf EU-Ebene Basel II zu lockern, als „vernünftige Strategie“. Die Initiative war jedoch am Widerstand seiner EU-Amtskollegen gescheitert.

Einer pauschalen Erhöhung des Eigenkapitalniveaus für Banken steht die IFD kritisch gegenüber. Dazu heißt es im Bericht der Initiative: „Es bleibt fraglich, ob pauschale, höhere Mindestkapitalanforderungen die aktuelle Finanzkrise verhindert hätten. Besser geeignet sind risikoadäquate Kapitalanforderungen in bestimmten Produkt- und Regulierungsbereichen.“ Eine klare Absage wird dem Instrument einer risikounabhängigen, festen Verschuldungsgrenze (Leverage Ratio) erteilt. Solche Ansätze seien für die Stabilisierung des Finanzsystems ungeeignet und könnten Basel II diskreditierten. Dieser Weg führe zurück zu Basel I – verbunden mit „erheblichen Arbitragemöglichkeiten“.

Verschiedene hochrangige Vertreter des Finanzplatzes Deutschland kritisieren schon seit längerem das Instrument einer Leverage Ratio, das vom Baseler Ausschuss als Ergänzung zu den bestehenden Eigenkapitalregeln in Erwägung gezogen wird. So lehnten Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann (vgl. RMRG vom 24.6.) und Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), einen solchen Schritt kategorisch ab. Auch Hofmann wies in diesem Kontext auf die Gefahren einer festen Verschuldungsgrenze hin: „Gleiche Kapitalanforderungen an Banken zu stellen, die einem völlig unterschiedlichen Risiko aus ihren Geschäften ausgesetzt sind, ist wenig überzeugend und lädt zur Kapitalarbitrage ein.” (vgl. RMRG vom 1.4.)

Derweil hat sich der österreichische Notenbankgouverneur und EZB-Ratsmitglied, Ewald Nowotny, hat sich in einem Interview mit dem Wochenmagazin „Format“ skeptisch geäußert, dass die prozyklische Wirkung der Basel II-Eigenkapitalregeln wirksam adressiert werden können. Das Problem der Prozyklität sei zwar erkannt worden – es sei jedoch noch nicht abzusehen, ob es auch zeitnah gelöst werden könne (weitere Quelle: Reuters).

Der aktuelle Jahresbericht der Initiative Finanzstandort Deutschland kann unter folgendem Link eingesehen werden: http://www.finanzstandort.de/BaseCMP/documents/5000/IFD-Finanzstandortbericht_2009d.pdf

 


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2 Kommentare
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  1. [...] Ratio) stößt unter deutschen Bankern schon seit einiger Zeit auf massiven Widerstand (vgl. RMRG vom 13.7.) (weitere Quellen: Börsen-Zeitung, Reuters, Dow Jones [...]

  2. [...] Die EU-Kommission rudert bei der Verschärfung der Eigenkapitalregeln für Banken zurück. Entgegen seiner jüngsten Ankündigung (vgl. RMRG vom 14.7.) sieht EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy einem Bericht der Financial Times Deutschland zufolge nun davon ab, bei der anstehenden Reform der EU-Eigenkapitalregeln für Banken (CRD) im Herbst eine feste Obergrenze für die Bilanzsumme im Verhältnis zum Eigenkapital (Leverage Ratio) vorzugeben. „Es gibt viel Widerstand von Regierungen, die keine feste Quote haben wollen“, wird ein Beteiligter aus dem Umfeld der Brüsseler Behörde von der FTD zitiert. Auch Deutschland sei bisher dagegen. So hatten sich führenden Branchenvertreter, wie Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und das Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Gerhard Hofmann, gegen eine feste Verschuldungsgrenze ausgesprochen. Ebenso hatte die Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD) diesem Instrument eine klare Absage erteilt. Solche Ansätze seien für die Stabilisierung des Finanzsystems ungeeignet und könnten Basel II diskreditierten. Dieser Weg führe zurück zu Basel I – verbunden mit „erheblichen Arbitragemöglichkeiten“ (vgl. RMRG vom 13.7.). [...]