Erneute Verschärfung der Eigenkapitalregeln / Pläne für “Leverage Ratio” im Herbst erwartet

14. Juli 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers13Die Europäische Kommission und der Baseler Ausschuss haben gestern miteinander abgestimmte Vorschläge vorgelegt, nach denen die Eigenkapitalanforderungen an Finanzinstitute für Risiken im Handelsbuch und für komplexe Verbriefungen ab 2011 deutlich verschärft werden sollen.
Die Kommission stellte außerdem Vorschläge zur Begrenzung von Boni an Bankmanager vor. Die Vorlagen stoßen in der heutigen Presseberichterstattung auf ein breites Echo. „Neues Basel II macht Banken ärmer“, überschreibt die Financial Times Deutschland ihren Bericht und verweist auf jüngste Einschätzungen der Deutschen Bank. „Schärfere Eigenkapitalregeln für Banken“, sieht die Frankfurter Allgemeine Zeitung und das Handelsblatt konstatiert knapp: „EU greift durch“. Die Kommentierungen fokussieren in erster Linie jedoch auf die anvisierte, striktere Regulierung der Gehaltspolitik von Banken.

Die Vorschläge der Kommission ergänzen die bereits im Mai verabschiedete Verschärfung der Eigenkapitalregeln. Doch auch die aktuelle Änderung wird nicht die letzte sein, merkt die „Neue Zürcher Zeitung“ an: „Bereits im Oktober will die Kommission weitere Ergänzungen vorschlagen, zu denen unter anderem eine ‚Leverage Ratio’ gehören soll.“ Ein Experte der EU-Kommission beschwichtigte jedoch die Regulierungsängste der Finanzbranche, indem er betonte, dass die neuen Vorschriften erst dann gelten sollen, wenn die Finanzkrise vorbei sei. Die aktuell schwierige Lage vieler Banken solle durch höhere Kapitalanforderungen nicht noch verschlimmert werden. Notfalls werde der Termin zur Einführung verschoben. Die Richtlinien-Änderung muss zudem erst von den EU-Mitgliedsstaaten und vom Europäischen Parlament beraten werden.

Die EU-Kommission will dem Gesetzentwurf zufolge die Risikobewertung von Anlagen in den Handelsbüchern der Banken verschärfen und die Eigenkapitalanforderungen für Wiederverbriefungen erhöhen. Zudem solle das Marktvertrauen durch strengere Pflichten zur Offenlegung von Verbriefungsrisiken gestützt werden. Weiter sollen den Investitionen in komplexe Produkte Grenzen gesetzt werden, wenn die Banken nicht belegen können, dass sie die Risiken vollumfänglich verstanden haben. Auch dürfen Gehälter und Boni künftig keine exzessive Risikoübernahme mehr belohnen. Zur Durchsetzung schlägt die Kommission vor, dass die Bankenaufsichten in Zukunft Sanktionen verhängen können. „Diese Vorschläge widmen sich den Risiken, die mit den zwei Hauptursachen der gegenwärtigen Krise in Verbindung stehen, Verbriefung und Entlohnung“, erklärte Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hat in Reaktion auf die Vorschläge der EU-Kommission gewarnt, dass das geplante Datum für das Inkrafttreten der Regeln am 31.12.2010 zu früh sei, weil die Banken dann noch immer unter der Krise litten. „Der Zeitpunkt des Inkrafttretens muss sehr genau geprüft werden“, erklärte Hans-Joachim Massenberg, Vize-Geschäftsführer beim BdB. Prinzipiell unterstütze der Verband jedoch die Vorschläge. Diese könnten dazu beitragen, den Bankensektor widerstandsfähiger zu machen. Man darf jedoch gespannt sein, ob der BdB auch noch im Herbst Unterstützung für die Kommissionspläne signalisiert. Die dann erwartete Ergänzung von Basel II/CRD um eine feste Verschuldungsgrenze (Leverage Ratio) stößt unter deutschen Bankern schon seit einiger Zeit auf massiven Widerstand (vgl. RMRG vom 13.7.) (weitere Quellen: Börsen-Zeitung, Reuters, Dow Jones Newswires).

Die Details zu den Änderungsvorschlägen des Baseler Ausschusses sind unter folgendem Link einsehbar: http://www.bis.org/press/p090713.htm

 


Tags: , , , , , , , , , ,

3 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. [...] Fraglich ist jedoch, ob diese gezogene Verteidigungslinie gegen eine feste Verschuldungsgrenze zu halten ist. So scheint die regulatorische Ergänzung von Basel II durch eine Leverage Ratio seitens des Baseler Ausschusses mittlerweile festzustehen (vgl. RMRG vom 1.7.). Die EU-Kommission, die sich in ihren Reformbemühungen bei der CRD-Eigenkapitalrichtlinie eng an den Vorgaben des Gremiums orientiert, hat für den Herbst ähnliche Vorschläge angekündigt (vgl. RMRG vom 14.7.). [...]

  2. [...] der Eigenkapitalregeln für Banken zurück. Entgegen seiner jüngsten Ankündigung (vgl. RMRG vom 14.7.) sieht EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy einem Bericht der Financial Times Deutschland [...]

  3. [...] habe der Baseler Ausschuss erst kürzlich entscheidende Änderungen an Basel II vorgeschlagen (vgl. RMRG vom 14.7.). „Diese werden die Banken dazu zwingen verstärkt auf ihre eigene Kreditrisiko-Analyse zu setzen [...]