Deregulierung als Reaktion auf die Finanzmarktkrise?

16. Juli 2009 | Von | Kategorie: Regulierung

frIn einem heute veröffentlichten Leserbrief an die Frankfurter Rundschau, äußert sich Ulrich Blum, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, ausführlich zur aus seiner Sicht fatalen Wirkung einer zu komplexen Regulierung im Finanzsektor.
Zur aktuellen Debatte merkt Blum an: „Es ist geradezu abenteuerlich zu glauben, mit neuen Regulierungen könne man verhindern, dass Katastrophen wie die aktuelle wieder passieren. Das gleicht dem Versuch, mit der berittenen Polizei einem Rennwagen hinterherzujagen.“ Viele strikte Regulierungen hätten versagt oder seien falsch gewesen: „Schon vor über sieben Jahren habe ich auf die prozyklischen Effekte des Basel-II-Ratings hingewiesen – keiner wollte es hören. ‚Fair-value’- und ‚impairment’-Tests sind Normungen der Rechnungslegung, also auch Regulierungen, die im Aufschwung Gewinne hochschaukeln, in der Rezession zur Falle werden – wollte man das damals wissen? Hätte man diese Regeln damals nicht eingeführt, es wäre uns Manches erspart geblieben“, so Blums bitterer Kommentar.

Im zweiten Teil seines Leserbriefs erklärt der Ökonom, dass in einer hochkomplexen Welt die Probleme nicht mit den Mitteln beseitigt werden könnten, die sie verursacht haben. Jegliche Regulierung habe die Genialität des Menschen in Rechnung zu stellen, die Regeln auszubooten. Derartige „moralische Versuchungen“ seien gleichermaßen modernen Institutionenökonomen und alten Ordnungsökonomen bekannt, und beide bieten ähnliche, die Komplexität reduzierende Lösungsrezepte an: „Verantwortung, also Beteiligung der Handelnden an Erträgen und vor allem auch Verlusten – letzteres ein wesentliches Merkmal der Sozialen Marktwirtschaft – und konstitutive Rechtfertigung für Eigentum und Gewinn.“

 


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