Banken ziehen Verteidigungslinie gegen eine “Leverage Ratio”

17. Juli 2009 | Von | Kategorie: Top News

handBei einem Pressegespräch des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) stand am Mittwoch die Position des Verbandes bei der künftigen Ausgestaltung von Kapitalvorschriften im Mittelpunkt.
Die Börsen-Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichteten gestern über die BdB-Forderungen. So wird eine kurzfristige, zeitlich begrenzte Anpassung der Basel II-Eigenkapitalvorschriften angemahnt. „Vor dem Hintergrund der Finanzkrise sollten kurz- und mittelfristige Anpassungen an den regulatorischen Kapitalanforderungen vorgenommen werden, um die prozyklischen Wirkungen zu reduzieren“, sagte der stellvertretende BdB-Hauptgeschäftsführer, Hans-Joachim Massenberg. Diese Anpassungen könnten aktuell dafür sorgen, dass das Banken-Eigenkapital durch Herabstufungen und Abwertungen der Vermögensgegenstände nicht übermäßig belastet wird. Das könne sich auf die Kreditvergabe der Institute auswirken, was zu einer Belastung für die Kreditversorgung der Wirtschaft führen könne. „Eine Aufweichung der Kreditvergabestandards wäre jedoch, gerade nach den Erfahrungen der Finanzkrise, fahrlässig“, merkte Massenberg dazu an.

Mehrfach betonte der BdB im Rahmen des Pressegesprächs, dass die Basel II-Vorschriften grundsätzlich nicht in Frage gestellt würden und ein Aussetzen der Vorschriften abgelehnt werde. Der Versuch von Finanzminister Peer Steinbrück, auf europäischer Ebene eine zeitweise Lockerung von Basel II durchzusetzen wurde vom Bankenverband positiv kommentiert – wohingegen die Ablehnung dieser Maßnahme durch dessen Amtskollegen auf Unverständnis stieß. „Deutschland ist gut beraten, diese Diskussion weiter aufrechtzuerhalten“, wird Massenberg von der Börsen-Zeitung zitiert. Die vom Standardsetzer IASB vorgestellten Neuregelungen der Bilanzierung werden vom BdB hingegen kritisch beäugt. Der BdB-Vize monierte eine „weitere Ausdehnung der Fair-Value-Bilanzierung“.

Die „Neue Zürcher Zeitung“ legt den Fokus ihrer Berichterstattung zum BdB-Gespräch auf die dabei geäußerte Kritik an der Einführung einer Leverage Ratio – ein Punkt der in der deutschen Presse weitgehend vernachlässigt wurde. Der Verband hat bei dieser Thematik vor einer vor einer oberflächlichen Betrachtung gewarnt. Die Leverage Ratio sei mit gravierenden Nachteilen verbunden. „So hänge die Höhe der Eigenkapitalquoten entscheidend vom verwendeten Rechnungslegungsstandard ab. Nach US-GAAP bilanzierende Banken profitieren zum Beispiel davon, dass sie verschiedene Derivate, die gegenüber einem Kontrahenten bestehen, miteinander verrechnen können, was die Bilanzsumme reduziert. Europäische Institute, die unter IFRS bilanzieren, müssen dagegen Brutto-Positionen ausweisen“, fasst die NZZ zusammen. Am Beispiel der Deutschen Bank wird diese Diskrepanz verdeutlicht: „Bei der Deutschen Bank [...] belief sich die Bilanzsumme Ende 2008 nach US-GAAP auf 1 Bio. Euro, nach IFRS aber auf 2,2 Bio. Euro.“

Das Messinstrument ignoriere zudem, ob eine Bank in solide Staatsanleihen investiere oder in risikoreiche Verbriefungstranchen. Benachteiligt würden damit Institute mit einem risikoarmen Geschäftsmodell. Massenberg definierte in einem Statement folgende Kritikpunkte an der Leverage Ratio:

- die fehlende Vergleichbarkeit und die Wettbewerbsverzerrungen durch international unterschiedliche Bilanzierungsstandards,
- die fehlende Eignung als Kennziffer der Kapitaladäquanz,
- die fehlende Risikosensitivität und die damit verbundenen falschen Anreizwirkungen und
- die große Gefahr, dass die risikosensitiven Regeln von Basel II faktisch außer Kraft gesetzt werden.

Fraglich ist jedoch, ob diese gezogene Verteidigungslinie gegen eine feste Verschuldungsgrenze zu halten ist. So scheint die regulatorische Ergänzung von Basel II durch eine Leverage Ratio seitens des Baseler Ausschusses mittlerweile festzustehen (vgl. RMRG vom 1.7.). Die EU-Kommission, die sich in ihren Reformbemühungen bei der CRD-Eigenkapitalrichtlinie eng an den Vorgaben des Gremiums orientiert, hat für den Herbst ähnliche Vorschläge angekündigt (vgl. RMRG vom 14.7.).

Die Vorschläge und Statements des BdB sind unter folgendem Link abrufbar: http://www.bankenverband.de/channel/101416/art/2760/index.html

 


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