Bundesbank-Präsident Weber: Egozentrik in Aufsichtsfragen?

20. Juli 2009 | Von | Kategorie: Regulierung

Unter dem Titel „Alleingänge des Präsidenten“ fasst das Handelsblatt in einem Kommentar die öffentlich und intern geäußerte Kritik am Verhalten von Bundesbank-Chef Axel Weber zusammen. So werfe die Rolle der Bundesbank in der aktuellen Finanzkrise Fragen auf. In der Bundesbank-Aufgabe der Beratung der Bundesregierung, bevorzuge Weber Alleingänge: „Wenn sich die Bundesbank in den letzten zwei Jahren zu Aufsichtsfragen äußerte, war es der Präsident. Bundesbankvize Franz-Christoph Zeitler, der eigentlich für die Bankenaufsicht zuständig ist, fand sich in die zweite Reihe gedrängt.“ So sehr Weber sich bundesbankintern auch in Aufsichtsfragen vorgedrängt habe, so unklar sei seine Rolle in dem Triumvirat, das die Kanzlerin darin berät. „Die Strippenzieher sind Jens Weidmann, Berater im Kanzleramt, und Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen – beides Schüler von Weber. Bei allem, was diese drei ausgeheckt haben, war am Ende die Position der Bundesbank öffentlich nicht mehr zu erkennen“, heißt es.

Derweil könnte es bei der Bankenaufsicht in Großbritannien im kommenden Jahr zu einem massiven Umbruch kommen. Wie die Financial Times Deutschland aktuell berichtet, planen die britischen Konservativen im Falle eines Wahlsieges die Auflösung der Finanzaufsicht FSA. Laut den Tories hat die direkte Bankaufsicht in der Krise versagt und Schieflagen von Banken nicht erkannt. Der designierte Finanzminister George Osborne deutete an, dass künftig wieder die Bank of England (BoE) mit der Bankenaufsicht betraut werden soll. Auch BoE-Chef Mervyn King dränge seit längerem auf mehr Einfluss – werde jedoch von Labour blockiert, die den Einfluss der FSA noch ausbauen wollen. Die FTD verweist in dem Zusammenhang auf ähnliche Diskussionen in Deutschland, die Kompetenzverschiebungen zwischen BaFin und Bundesbank thematisieren.

 


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