Warnung vor gefährlichem Aktionismus beim Bilanzrecht

30. Juli 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers5Hans Wagener, Vorstandsprecher von PricewaterhouseCoopers Deutschland, warnt im Gespräch mit dem Handelsblatt vor übereilten Änderungen am Bilanzrecht.
Mittlerweile werde eine neue Welle nationaler Sonderregelungen bei der Rechnungslegung befürchtet. „Wir geraten hier in eine Phase eines nationalen Bilanzierung-Protektionismus, in der sich die Staaten wieder auf die alten, eigenen Regeln besinnen“, beschreibt Wagener die gefährliche Entwicklung. „Ich appelliere an alle, in Ruhe die Situation zu analysieren und dann nachhaltige Maßnahmen zu entwickeln“, betont der PWC-Chef. Derzeit herrsche ein gefährlicher Aktionismus. „Wir haben zum Beispiel nach jahrelangen Diskussionen Basel II eingeführt. Jetzt hat das System den ersten Belastungstest nicht bestanden, und wir reden über eine Aufweichung.“

Derweil sorgt die vom Standardsetzer IASB eingesetzte „Financial Crisis Advisory Group“ (FCAG) mit neuen Vorschlägen zur Abmilderung von krisenverschärfenden Wirkungen in den Bilanzregeln für Aufsehen. Den Plänen zufolge sollen verzinslichte Finanzinstrumente mit festgesetzter Laufzeit, bei denen die zu erwartenden Geldströme feststehen – ein Hypothekenkredit oder eine Unternehmensanleihe –, künftig nach dem „Expected Loss Model“ bilanziert werden. „Nach dem jetzigen ‚Incurred Loss Model’ werden Verluste erst zum Zeitpunkt ihres Eintretens auch bilanziell erfasst“, erklärt die Financial Times Deutschland. In Verbindung mit der „Fair Value“-Bilanzierung werde hier die prozyklische Wirkung als „Brandbeschleunigereffekt“ kritisiert.

Die FCAG betont in ihrem aktuellen Bericht weiter, dass sich Investoren nicht nur auf die in der Rechnungslegung enthaltenen Informationen stützen dürften, weil deren Aussagekraft beschränkt sei – das habe die Finanzkrise schließlich gezeigt. „Außerdem drängt die Gruppe das IASB und das FASB, ihre Regeln weiter anzugleichen und zu vereinfachen“, merkt das Handelsblatt an. Der Bericht verweist in diesem Kontext auf die jüngsten IASB-Vorschläge zur Vereinfachung der Bewertung von Finanzinstrumenten, die jedoch auf „heftige Kritik“ gestoßen seien.

 


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