Ackermann opponiert erneut gegen Leverage Ratio

30. Juli 2009 | Von | Kategorie: Regulierung

papers_ftIn einem Gastbeitrag für die heutige Financial Times plädiert Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann für international abgestimmte Neuregulierungen der Finanzbranche.
Er beschreibt dabei die Gefahr, dass regulatorische Änderungen zu erneuten Marktverwerfungen führen könnten. Auch Versuche, das Systemrisiko der Branche einzudämmen, indem man Großbanken zwingt, ihre Geschäftsaktivitäten einzuschränken, lehnt Ackermann ab (Stichwort „too-big-to-fail“). Der Bankchef verweist in dem Zusammenhang auf die Einführung einer festen Verschuldungsgrenze (Leverage Ratio) durch die Schweizerische Nationalbank. Es sei zwar unbestritten, das auch die überbordende Verschuldung einiger Institute zur Krise beigetragen habe – doch hier habe weniger die Größe der Bank eine Rolle gespielt, als vielmehr die mangelnde Vernetzung der Kreditinstitute untereinander. Daher dürfe sich die Diskussion nicht länger auf die Beschneidung der Großbanken beschränken, sondern ebendiese Vernetzung in den Mittelpunkt rücken.

Ackermann reagiert mit seinen Aussagen auf vielfältige Bestrebungen, die von großen Kreditinstituten ausgehenden, systemischen Risiken für den Finanzsektor, regulatorisch zu minimieren. So hatte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in ihrem jüngsten Jahresbericht auf dieses „too big to fail“-Dilemma hingewiesen. „Großbanken sowie Banken, die systemweiten Schocks stärker ausgesetzt sind, tragen überproportional stark zum Systemrisiko bei“, so die Aussage. Als Reaktion darauf müssten die Eigenkapitalanforderungen an die Banken und ihre Risikovorsorge an ihrer Gefahr für das Finanzsystem ausgerichtet werden, heißt es in dem Bericht. Der Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand, und der Chef der Bank of England, Mervyn King, drängen gar auf spezielle Liquidationsverfahren für systemrelevante Banken.

Der bei der BIZ angesiedelte Baseler Ausschuss hat bereits mehrfach verlautbaren lassen, dass man plant, die Basel II-Eigenkapitalregeln um eine Leverage Ratio zu ergänzen. Die Regularien müssten nicht ersetzt werden, sondern durch die Einziehung eines weiteren Sicherungsnetzes ergänzt werden, hatte Jose Maria Roldan, Vorsitzender der Standards Implementation Group des Gremiums, schon Ende Juni betont (vgl. RMRG vom 1.7.). Bereits in einem Beitrag für die „Neue Zürcher Zeitung“ hatte Ackermann das Instrument einer Leverage Ratio jüngst negativ kommentiert (vgl. RMRG vom 24.6.).

 


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