Ratingagenturen sind sich keiner Schuld bewusst: Investoren haben Ratings nicht verstanden

12. August 2009 | Von | Kategorie: Top News

ratingDie Debatte um die Ratings von Fitch, Moody’s und Standard & Poor’s (S&P) für strukturierte Wertpapiere im Vorfeld der Finanzmarktkrise nimmt mit der Klage des US-Pensionsfonds Calpers gegen Agenturen weiter an Fahrt auf.
Die Investoren seien verärgert, weil die Ratingagenturen die Papiere vor der Finanzmarktkrise großenteils mit Bestnoten bewerteten und somit zum Kauf ebendieser motiviert hatten, berichtet die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe. Insbesondere bei den Banken „gäre“ es: Diese seien „[...] verpflichtet, die herabgestuften Wertpapiere mit deutlich mehr Eigenkapital zu unterlegen. Die Vorschriften der internationalen Kreditrichtlinie Basel II sind eindeutig: Je schlechter die Bewertung von Aktivposten, desto mehr Eigenkapital ist als Sicherheitspuffer erforderlich.“ Dem Bericht zufolge macht Calpers im Rahmen seiner Klage geltend, dass man durch „falsch konzipierte und inkompetent angewandte“ Bewertungsmethoden zu beträchtlichen Fehlinvestitionen verleitet worden sei.

Wie die SZ weiter berichtet, weisen die Agenturen die Anschuldigungen allerdings „vehement“ zurück. „Fitch hält die Klage für substanzlos und beabsichtigt, sich dagegen mit allen zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln zu wehren“, wird ein Unternehmenssprecher zitiert. Auch die anderen Agenturen sehen keinen Grund, warum sie für ihre Ratings haftbar gemacht werden sollten – schließlich seien die doch ganz unverbindlich. „Die Bewertungen von S&P sind zukunftsgerichtete Meinungsäußerungen zur Kreditwürdigkeit. Es handelt sich nicht um Empfehlungen zum Kaufen, Verkaufen oder Halten von Wertpapieren“, so die Aussage von Standard & Poor’s. In einem Beitrag des britischen “Daily Telegraph” wurde der S&P-Experte Martin Winn gar mit dem Hinweis an die Politik wiedergegeben, wonach diese sich bei den Anstrengungen für eine neue Finanzmarktregulierung auf die Verwendung der Ratings durch die Investoren konzentrieren solle. Die Tageszeitung kritisierte in diesem Zusammenhang den Versuch der Agenturen, sich einer Regulierung zu entziehen.

Auch für die Kläger in den USA scheint die Verteidigungslinie von S&P, Moody’s & Co. haltlos. „Die Rating-Agenturen können nicht einfach ihre Bewertungen abgeben und sich dann aus dem Staub machen, obschon sie oft völlig falsch liegen“, wird Calpers-Manager Joseph Dear im SZ-Bericht zitiert. „Vieles spricht für seine Auffassung“, so das Blatt.

Als eine Art argumentativen Beleg der o.g. Verteidigungslinie hat S&P vor kurzem einen “Leitfaden Kreditrating” veröffentlicht. Darin werden die Hintergründe und Anwendungen von Ratings erläutert. “Ratings sind [...] weder eine Garantie für die künftige Wertentwicklung einer Anlage noch dafür, dass es zu keinem Zahlungsausfall kommt”, heißt es darin. Aufgrund der Tatsache, dass es Ereignisse und Entwicklungen gebe, die sich nicht vorhersagen liessen, sei der Ratingprozess keine exakte Wissenschaft. Daher sollen Ratings weder als Garantie für die Kreditqualität noch als exakte Messgrößen für die Ausfallwahrscheinlichkeit eines bestimmten Emittenten oder einer bestimmten Emission dienen, betonen die S&P-Autoren.

Der entsprechende S&P-Leitfaden kann in interaktiver Form unter folgendem Link eingesehen werden: http://www2.standardandpoors.com/portal/site/sp/en/eu/page.topic/ratings_acr/2,1,1,9,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0.html

 


Tags: , , , , , , ,

Keine Kommentare möglich.